Ralph Larmann


Interview mit Ralph Larmann

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Name: Ralph Larmann
Webseite: www.larmann.com
Buchbesprechung: Um die Welt in 760 Tagen
From The Ground Up
Ralph Larmann arbeitet als freier Fotograf für Künstler, Unternehmen, Architekten, Lichtdesigner und verschiedene Magazine. Der Deutsche gilt weltweit als einer der besten Live- und Konzertfotografen. In seinen beiden Bildbänden Stage Design und Stage Design Emotions dokumentierte er zahlreiche nationale und internationale Konzerte, Opern, Musicals, TV-Shows und Events, wobei er immer die Inszenierung und Live-Produktion in den Vordergrund stellt. Zur Veröffentlichung von Um die Welt in 760 Tagen hat Teammitglied Didi ein Telefoninterview mit ihm geführt.


U2tour.de: Liebe Fans von U2tour.de! Ich freue mich sehr, heute einen ganz besonderen Interview-Partner an Bord zu haben: Ich begrüße recht herzlich Ralph Larmann, den Fotografen und Journalisten, der den Bildband Um die Welt in 760 Tagen herausbringen wird. Erscheinen wird das Buch am 18. Oktober und ich freue mich jetzt auf ein Telefoninterview. Ich habe natürlich ein paar spannende Fragen, die wir schon im Vorfeld, auch ein bisschen bei den Fans, zusammengesammelt haben. Herr Larmann, können Sie sich für die Leute, die Sie als U2-Fotograf noch nicht so gut kennen, vorstellen und uns erzählen, wie Sie eigentlich zur Fotografie und zum Journalismus gekommen sind?

Ralph Larmann: Ja, das ist bei mir ein ganz eigener Weg. Ich bin von Haus aus Schlagzeuger, habe Popularmusik in Rotterdam studiert und bin dann vor etwa 25 Jahren in den Journalismus reingegangen, weil es mich einfach interessiert hat, Musiker zu befragen und Geschichten über die Musik auch in Fachpublikationen zu veröffentlichen. Das habe ich dann auch gemacht und habe parallel zur Schreiberei auch die Bilder zu meinen Geschichten machen wollen. So bin ich dann quasi zur Fotografie gekommen. Ich habe also Geschichten geschrieben, Interviews gemacht und habe meine Interviewpartner, die Dinge, die Konzerte oder was auch immer dann selber fotografiert. So hat sich das dann selbst entwickelt. Meine ersten Bücher habe ich bereits Anfang der 90er gemacht. Ich habe damals ein Buch bzw. eine Dokumentation für Marek Lieberberg gemacht namens Heute die. Morgen du, bei der es um dieses Konzert gegen Rechtsradikale vor der Festhalle in Frankfurt geht. Das nächste Buch war dann auch gleich 10 Jahre Rock am Ring, auch damals für Marek Lieberberg. Dann ging es weiter mit der Zusammenarbeit mit einigen Künstlern. Ich habe sehr viel mit Udo Lindenberg gemacht, Fury in the Slaughterhouse, Howard Carpendale, mit den Schürzenjägern… also ein sehr breites Spektrum. Ich war in sehr unterschiedlichen Musikbereichen unterwegs, auch in der Klassik. Zum Beispiel ist die aktuelle Live-DVD von David Garrett komplett mit meinen Fotos gestaltet. Auch im Comedy Bereich, die aktuelle DVD von Bülent Ceylan, die Commerzbank Arena Inszenierung in Frankfurt. Das ist ein sehr breites Feld, in dem ich mittlerweile fotografiere. Oder zuletzt habe ich die Golf VII Präsentation für die Volkswagen AG in Berlin in der Neuen Nationalgalerie fotografiert. Ich bin also im Event-/Konzertbereich zuhause und das ist die Welt, in der ich mich auch extrem wohl fühle, was mir enorm Spaß macht und wo auch für mich, denke ich mal, kein Ende abzusehen ist. Es ist ja auch eine Entwicklung da: das Event-Business und die Konzerte entwickeln sich auch visuell sehr interessant und es gibt immer wieder neue, spannende visuelle Inszenierungen. Das ist mein Metier und da bin ich zuhause!

U2tour.de: Es ist sehr schön, dass Sie mir eigentlich schon die nächsten zwei, drei Fragen vorwegnehmen. Sie haben es eh schon angesprochen dass sie sich auch mit Industrie-Fotografie beschäftigen. Auf Ihrer Homepage habe ich einige Fotos über Industrie und Architektur gesehen, der Rest dreht sich doch sehr um die Musik. Aber nachdem Sie Musik studiert haben und Schlagzeuger sind, ist mir das klar. Dann komme ich gleich schon zum nächsten Teil: Wie sind Sie eigentlich an U2 herangekommen? Es gibt ja den Haus- und Hof-Fotografen Anton Corbijn von U2 und Andrew MacPherson hat schon einige Fotos mit U2 gemacht - Wie sind Sie in die große U2-Familie hineingekommen?

Ralph Larmann: Ich habe zwei Bildbände gemacht: Stage Design und Stage Design Emotions, den ersten 2007, den zweiten 2010. Für meinen ersten Bildband hatte ich die Vertigo-Inszenierung fotografiert. Bei dieser Gelegenheit bin ich damals auch mit Willie Williams zusammengekommen und habe ihm dann bei dem Konzert in Berlin eine CD-ROM gegeben mit den Fotos. Zwei Monate später schrieb er mir eine kurze E-Mail, dass er mal Zeit gefunden hätte, meine Bilder zu sichten und er wollte mir einfach nur mitteilen, dass das die besten Bilder von der Vertigo-Produktion sind, die er gesehen hätte und ob er diese für seine Website nutzen könnte. Das war natürlich ein riesiges Kompliment von einem Designer wie Willie Williams, der für mich, was die moderne Bühneninszenierung angeht, einer der kreativsten und besten Designer im Show- und Bühnenbereich ist. Zu dieser Zeit war ich noch dabei, Bühnengeschichten für meinen ersten Stage Design Bildband zu fotografieren. Ich hörte dass er [Williams] auch George Michael 25LIVE designed hatte und fragte an, ob ich diese Inszenierung auch für meinen Bildband fotografieren könnte. Zwei Tage später kam dann das Okay vom Management. Nachdem die meine Bilder gesehen hatten, hatten sie mich angerufen und gefragt ob ich eine Inszenierung in Kopenhagen für George Michael direkt fotografieren könnte. Ja, und dann kam die U2 360° Tournee und mir war klar dass ich für meinen zweiten Stage Design Bildband diese Tour natürlich unbedingt fotografieren wollte. Ich war mit Willie Williams im Kontakt geblieben, der sagte: „komm nach Berlin und mach die Show! Die Band will dich auch kennenlernen, will deine Bilder sehen und wie du diese Show fotografierst.“



Für das Konzert habe ich mein Equipment etwas aufgestockt, um 360° Kugelpanoramen zu machen, was natürlich bei der 360° Tour passt. In Berlin habe ich dann die ersten Kugelpanoramafotos gemacht, erstmal noch nicht auf der Bühne. Die Band kannte das so gar nicht und es hat ihr dann wiederum so gut gefallen dass sie gesagt haben du kommst in Gelsenkirchen mit uns auf die Bühne. Da habe ich die Band dann auch persönlich kennen gelernt. Larry Mullen, hinter dem ich stand, wollte natürlich sehen mit wem er es zu tun hat. Bei den Berlinbildern war auch dieses Sternbild dabei, das Sie auch kennen. Das hatte sich bei der ganzen Produktion so durchgeschlagen dass es, als ich nach Gelsenkirchen kam, jeder dort, ob auf dem Handy oder am Notebook, als Bildschirmhintergrund hatte. Auch Bono kam dann zu mir und hat sich explizit für meine Berlin Bilder bedankt, was für mich in dem Moment der Ritterschlag war. So ein Kompliment zu bekommen von Bono, von diesem Künstler ist natürlich ein Traum! Dass er die Bilder, meine Fotografie dann so auch wahrnimmt. Dann habe ich in Gelsenkirchen Kugelpanoramen gemacht, auch da war alles fantastisch, die Sachen sind super angekommen. So hat man mich direkt gebucht. Bei den zwei Shows in London im Wembley Stadion habe ich dann direkt für die Band und fürs Management fotografiert. Diese Fotos sind dann auch zum Teil eingesetzt worden für die Kommunikation und für Konzertplakate. Das Berlinbild wurde dann auch offizielles Cover des Programmheftes. Das Bild gab es als Poster im Merchandising. Von daher bin ich letztendlich über meine Arbeit reingekommen. Willie Williams hat ja auch das Vorwort von meinem Stage Design Emotions Bildband geschrieben, was natürlich auch ganz besonders war. Ich werde den Moment wo er mir das geschickt hat und ich das las, nie vergessen. Wie er meine Arbeit sieht, das war so ein großes Kompliment, da ist mir feucht in den Augen geworden. Die Art wie ich ihre Shows fotografiere hat der Band zugesagt und im nächsten Schritt war ich dann letzes Jahr eine Woche direkt mit der Band in Amerika unterwegs. Ich habe in den USA fotografiert, in St. Louis, im New Meadowlands Stadium in Newark, und in Minneapolis. Meine Zielsetzung war, das in einer Qualität abzulichten die über die Kleinbildqualität hinausgeht. Bei diesen drei Konzerten plus beim Aufbau in Newark und beim Abbau in Minneapolis habe ich mit einer, bzw. mit zwei Leica S2 Kameras im digitalem Mittelformat abgelichtet, was qualitativ einfach ein Traum ist. Es sind mehr als 180 Bilder von mir im Buch, wobei mehr als 100 mit den Leica S2‘s gemacht wurden. Das ist eine ganz besondere Qualität. Die Tiefe und Detailauflösung ist faszinierend! Das war auch meine Zielsetzung: diese Tour, diese einmalige Bühne, diese Inszenierung in einer Qualität abzulichten die über das normale Rad hinausgeht; und das ist auch gelungen, muss ich sagen.

U2tour.de: Absolut. Wie sie ja selber gesagt haben, gerade dieses Berlinbild hat Wellen geschlagen! Ich habe es auch gerade vor mir auf meinem Notebook, es ist einfach unglaublich! Ich bin auch selber auf diesem Konzert gewesen. Sie haben ja aufgezählt wo sie überall waren, waren du sonst noch bei irgendwelchen Konzerten dabei? Aus dem Buch liest man ja heraus dass sie mit der Band im Privatjet unterwegs waren. Oder war das nur ihr Schreiber Dylan Jones?

Ralph Larmann: Nein, ich war mit der Band unterwegs. Gut, Bono ist ja immer separat geflogen [lacht], der war halt auch anders unterwegs, aber ansonsten war ich im Jet mit der Band und dem Produktions- und Managementteam. Das waren insgesamt etwa 50 Leute.



U2tour.de: Und wie ist das so wenn man mit diesen Giganten der Rockmusik im Jet unterwegs sein darf? Oder sind das dann ganz normale Leute? Ich habe auch schon die Ehre gehabt mir einmal zehn Minuten das Studio anzusehen, aber das ist natürlich ein anderes Umfeld und da versucht man den Fans natürlich irgendwie das hochzuhalten. Die wenigsten von uns werden sie persönlich kennen, aber ich denke da werden schon irgendwo mal die Hüllen fallen und man sieht die Leute ein bisschen persönlicher. Wie ist das dann so?

Ralph Larmann: Das ist eigentlich ganz normal muss ich sagen. Man sitzt ja nicht alleine mit der Band, sondern da sitzen glaube ich 50 Leute drinnen. Wir haben ja in New York gewohnt und sind dann von dort aus nach St. Louis und Minneapolis. In das New Meadowlands Stadium sind wir dann immer mit entsprechenden Bussen hingefahren. Insgesamt ist das natürlich eine erhebende Geschichte und unglaublich schön dieses Vertrauen von den Künstlern und Produktion zu bekommen, weil die U2 Family eine geschlossene Gesellschaft ist. Das muss man ganz klar sagen. Das wurde mir auch mal nebenbei von jemandem erzählt, dass da normalerweise niemand reinkommt. Die haben die Leute mit denen sie seit Jahren arbeiten, das ist eine sehr vertraute Gesellschaft. Das ist ja ganz klar, man sagt ja: never change a winning team. Das sind Leute, die seit vielen Jahren zusammenstehen und zusammen arbeiten und diese großen Produktionen letztendlich auch auf den Weg bringen und das Ganze auch professionell abwickeln. Wenn man selber Teil dieser Produktion ist dann spürt man auch dass das eine Professionalität erhält, die auch mit nichts zu toppen ist. Da ist alles auf den Punkt, da ist jeder Termin, der genannt wird, dann auch auf die Minute so. Da wird nichts dem Zufall überlassen und da ist auch, denke ich, im Notfall das entsprechende Backup dann auch gleich zur Hand. Das ist eine Professionalität, mit der dort gearbeitet wird, und ich denke, das spüren auch die Fans und das spürt dann auch derjenige, der zu Konzerten geht. Das ist was Besonderes, diese Tour ist wirklich was Besonderes. Ich denke, der Charakter der Band ist auch noch mal besonders - es sind Iren, das sind keine Engländer, das sind keine Amerikaner. Ich denke, das hat auch noch seine Besonderheit und auf der anderen Seite, bei der ganzen Energie, die diese Band hat, hat man ja so das Gefühl, die schweben so 5 cm vom Boden eigentlich - aber das ist kein Wunder bei der Energie, die diese Band von 90.000 Menschen bei einem Konzert bekommt. Wobei sie auf der anderen Seite auch extrem bodenständig sind, also da ist keiner abgehoben, da wird kein Hotelzimmer zerrissen oder so ein Blödsinn. Ja, das sind ganz normale Menschen, die einfach Genies in ihrem Tun sind, so muss man das eigentlich sehen: sie sind Genies in ihrem Tun, sie haben sich über 30 Jahre zu einer Band entwickelt, die einfach ein Level hat, an welches im Moment auch niemand als Band herankommt. Da sind noch die Stones, die wiederum ein ganz anderes Klientel ansprechen - und das war‘s, ja. Als Einzelkünstler ist dann noch ein Bruce Springsteen, und dann ist da noch als Künstlerin eine Madonna…

U2tour.de: …die aber auch schon Probleme hat, die Stadien zu füllen mittlerweile, ja?

Ralph Larmann: ...ja, da wird es echt schon schwierig, ja. Coldplay ist zwar auch im Moment sehr erfolgreich, aber das kann man nicht mit U2 vergleichen. Das ist schon Wahnsinn, mit welcher Kontinuität diese Band diese Produktion erreicht haben. Dort hin zu kommen und dann auch mit so einem großen Risiko diese Produktion anzugehen, aber auf der anderen Seite ganz genau zu wissen, was man will. Es gibt so eine Geschichte, die hat mir Willie Williams erzählt. Jake Berry, der Produktionsleiter - man hätte diese Tour niemals ohne Jake Berry gemacht. Das war die Schlüsselposition und ganz der klare Wille war: Wir machen diese Tour nur und können sie nur machen mit Jake Berry als Produktionsleiter. Es hat ja funktioniert, aber das ist auch die Konsequenz, mit der gearbeitet wird. Man weiß halt, man muss bestimmte Positionen besetzen mit gewissen Persönlichkeiten, um überhaupt dieses Risiko gehen zu können. Dieses Bewusstsein, wie sehr so eine Produktion an einzelnen Menschen auch wieder abhängt - wir haben es ja auch erlebt mit U2 selbst, als Bono das Rückenproblem hatte –„Ich habe Rücken” [lacht] - da waren die Trucks alle beladen, startbereit und da musste die Tour erstmal gecancelt werden. Was für ein Wahnsinn. So ist es halt. Deswegen ist auch dieser Faktor Mensch bei dieser Produktion oder insgesamt bei U2, auch managementmäßig so extrem und wird auch so extrem hoch gehalten. Diese Leute, die man reinholt und die da drin sind, die haben auch das Level, um letztendlich auf Augenhöhe in so einer Position zu arbeiten, nur so geht das.

U2tour.de: Ja, da sind halt die Fans auch was Besonderes, zum einen schätzen wir das seit Jahrzehnten jetzt eigentlich schon, dass die Band eigentlich nie so abgehoben hat. Natürlich gab es ihre Höhen und Tiefen und nach dem Joshua Tree musste was Neues her, aber dass sie halt mega-arrogant auftreten, das ist glaube ich noch niemandem gegenüber so aufgekommen. Die Bereitschaft der Fans, dass sie sie wirklich sehen wollen, das wird auch im Buch angesprochen: Nur 2% der Karten wurden zurückgegeben, als diese Rückengeschichte aufgekommen ist und es wurde auch geschrieben, dass das schon erstaunlich ist, dass die Fans sagen: „Ja, ok, dann warte ich halt eben das Jahr und will nicht das Geld jetzt schon wieder zurück”, was ja keine Selbstverständlichkeit ist.

Ralph Larmann: Nein, das ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn man ein Konzert mit U2 erlebt - es gibt so Momente, wo ich zutiefst emotional berührt war - mal abgesehen davon, als ich in Wembley vor rund 90.000 Menschen mit der Band auf der Bühne stand, um dieses 360°-Kugel-Panorama zu machen. Ich werde das auch nie vergessen bei der Vertigo Tour, wo ich in Berlin im Olympiastadion stand und es kam dieses Where The Streets Have No Name und auf einmal fingen, damals waren 70.000 im Stadion, an zu beben. Das ist einfach…das ist einfach…so was von tief emotional, das ist nicht zu toppen. Mehr Energie kann eine Band in einem Publikum nicht freisetzen.
Und auch für mich, von daher auch meine Beziehung zur Musik, ich komme ja von der Musik, habe selber 25 Jahre mit unterschiedlichsten Bands gearbeitet, auf der Bühne gestanden, nie in so einer Dimension, um Gottes Willen, also so weit [lacht], habe ich es nicht gebracht. Aber ich weiß, worum es geht und was das für eine Magie hat. Und ich erlebe es halt glücklicherweise jetzt als Fotograf immer wieder. Natürlich nicht in dieser Dimension wie mit U2, aber in ganz unterschiedlicher Form und das ist einfach Wahnsinn.
Diese Konzerte in Amerika, in Minneapolis, wo es tropisch geregnet hat, nach einer Viertelstunde hat es da gegossen, das sieht man auch auf meinen Bildern, da sprang der Regen vom Boden hoch - und die Leute und die Band haben das einfach umgelegt. Die haben es genossen. Das war halt einfach so. Ich hatte da das riesen Problem gehabt, dass ich diese 2 Leica S2 hatte, ich meine, was kostet so ein Body, der kostet 19.000 € - nur ein Body und ich habe mir dann ein großes Handtuch aus dem Produktionsoffice geholt, habe die ganze Zeit meine Kameras trocken gewischt. Ich war am Ende des Konzertes bis auf die Socken, bis in die Schuhe… es war alles nass, ich war total durch. Ich war noch nie mit Klamotten so nass, ich hätte auch ins Schwimmbad springen können, da wäre ich genauso nass gewesen. Aber ich war glücklich [lacht], wenn man das so sagen kann, es war ein sensationelles Konzert, was die Band abgeliefert hat. Die haben diesen Regen quasi wieder in positive Energie gebracht und das muss einem erstmal gelingen. Das kann man nicht mit Worten beschreiben, wenn man in der Lage ist, als Künstler so was quasi rumzudrehen. Die anderen sagen „Brechen wir jetzt ab, das geht nicht mehr, es regnet dermaßen hart.“ Es war zum Glück ein warmer Sommerregen, aber es war so sintflutartig…Mann, die Band hat gespielt! Solche Regenfotos habe ich noch nie in meinem Leben gesehen, auf Konzerten...Manometer...., das kann man nicht beschreiben.



U2tour.de: Habe jetzt direkt eines der Fotos vor mir in dem Vordruck, der uns vorliegt und es ist sensationell gut eingefangen, ja. Gibt es noch irgendeine witzige Story, die Sie uns vielleicht erzählen können, die Sie uns nicht vorenthalten wollen?

Ralph Larmann: Es ist halt einfach intensiv, das war diese eine wahnsinnig intensive Woche, angefangen von der Reise nach New York, ich hatte ja auch am Abend bevor ich nach New York geflogen bin, noch in Berlin im Olympiastadion von Mario Barth, die letzte Stadionshow fotografiert und bin dann von Berlin direkt nach New York geflogen und habe am selben Abend noch in St. Louis die Show fotografiert. Das war auch… echt heavy.

U2tour.de: Das ist eine starke Herausforderung.

Ralph Larmann: Richtig, das war eine Herausforderung und es hat auch alles gut funktioniert. Aber, wie gesagt, es ist halt eine unglaublich intensive Zeit, auch allein mit der Band ins Stadion zu fahren, mit Polizeieskorte, über die Autobahn, die Autos fahren rechts und links ran, man fährt so durch und denkt: Das ist wie im Film. Und das hat einfach unglaublichen Spaß gemacht, speziell diese Woche in den USA war natürlich ganz besonders. Ich denke, die Bilder sprechen für sich, bringen das auch rüber. Über 100 Bilder von den etwas mehr als 180 sind aus den USA. Das war faszinierend, dieses Feeling und dann auch in der Qualität das Ganze rüberzubringen – Wahnsinn. Man ist dann natürlich auch so am Ende. Die Band ist ja dann wieder zurück nach New York geflogen, ich bin dann von Minneapolis zurück nach Frankfurt geflogen, hatte zum Glück am Ende meinen Koffer auch in Minneapolis im Stadion, ich war ja,wie ich eben schon erzählte, klatschnass, konnte mich dann glücklicherweise im Stadion komplett, weil ich meine Klamotten dabei hatte, umziehen. Dann habe ich mich noch bei Brian Celler bedankt, dem General Director vom Principle Management, und das war für mich noch mal ein riesen Kompliment als er sagte „Wofür? Brauchst dich nicht zu bedanken, bist jetzt Teil der Familie.“ Das ist einfach... ich habe halt... das erreicht zu haben - als Fotograf im Musikbereich kann man nicht mehr erreichen, finde ich. Also das ist die Spitze und ich habe in letzter Zeit, doch einige Sachen gemacht, auch jetzt gerade die Golf 7-Präsentation für Volkswagen direkt in dieser Neuen Nationalgalerie, was industriemäßig für mich auch das absolute Top-Level ist. Dann habe ich das Nobelbankett in Stockholm drei Jahre lang fotografiert, das sind so wahnsinnige Sachen, die haben einfach Spirit, die haben Energie, die sind besonders. Das man das machen darf, für so was dann als Fotograf herangezogen zu werden, ja, was will man mehr? Ich habe meinen Traumjob, ich genieße das und find das toll und will das mein Leben lang machen.

U2tour.de: Sie haben mir gesagt, Sie sind eigentlich über die eigenen Bücher zu U2 gekommen, also über das Stage Design, das Stage Design Emotions, das wir auch schon auf unserer Homepage empfohlen haben; wie ist es dann jetzt schlussendlich zu diesem Buchprojekt gekommen, ich gehe mal davon aus, sie waren alle so begeistert von Ihren Fotos und haben gesagt „Ok, jetzt bringen wir das auch auf schönes dickes Papier und drucken das“. Oder wie ist das gelaufen?

Ralph Larmann: Nein. Das ist ein Konzept. Es gibt keinen Fotografen weltweit, der sich dem Thema Bühnen/Bühne/Bühnendesign explizit widmet, da bin ich der einzige, der das ganze Thema mal so aufbereitet hat. Es gibt ein paar Bücher über Bühnendesign, die dann von einem Autor gemacht werden, der dann Bilder hinzugekauft hat von verschiedenen Fotografen. Aber ich habe natürlich als Fotograf für einige deutsche Fachmagazine, insbesondere für die Magazine Production Partner, Event Partner und PMA, für das ich jetzt auch noch tätig bin, regelmäßig Geschichten gemacht über Produktionen, über Bühnenproduktionen - geschrieben und eben fotografiert. Dabei ist mir eben aufgefallen, dass es eigentlich keine Fachpublikationen und keine Bücher darüber gibt, die einfach generell die Schlüsselproduktionen in der Welt als Ganzes zeigt. Das war die Motivation zu sagen: „Ich mach das jetzt und nehme mich dem Thema an.“ Ich habe natürlich auch einige Auftragsproduktionen mit reingenommen aber einige Sachen habe ich auch explizit nur für diese Bücher fotografiert. Für zum Beispiel Stage Design, habe ich König der Löwen, das Musical nur für das Buch fotografiert. Von Disney Seite, bzw. vom Musical Theater in Hamburg war man so begeistert, dass man gesagt hat: Wir ermöglichen da Sachen, die sonst nicht möglich sind. So konnte ich das Musical dann tatsächlich fünf Mal fotografieren, es wurden fünf Szenen explizit nur für mich gespielt, vom gesamten Ensemble. Ich hatte noch einen ganzen Nachmittag Bühnenbesichtigung, wo ich dann die Details des Bühnenbildes einzeln fotografieren konnte – das gibt es nicht, das wird nicht erlaubt: Wenn Sie zum Musical gehen, dann wird Ihnen immer ganz klar gesagt: Hier ist absolutes Video- und Fotografierverbot und wehe Sie werden mit der Kamera erwischt, dann müssen Sie das Musical-Theater verlassen - das ist wie im Kino. Und mir wurde das dann von offizieller Seite erlaubt, das war sensationell. Auch jetzt für meinen zweiten Bildband habe ich „Wicked“ fotografiert oder „West Side Story“ – das sind dann Sachen, bei denen mir so ein großes Vertrauen entgegengebracht wird, dass ich dort nur für das Buch fotografiere und diese Fotos sonst nirgendwo zu sehen sind, da halte ich mich natürlich auch explizit daran. Man kann es als Fotograf letztendlich nur auf so ein Level schaffen, wenn man hundertprozentig alle Absprachen einhält. Ich habe für meinen dritten Bildband zum Beispiel Kylie Minogues „Aphrodite“ exklusiv fotografiert, das sind solche Sachen, wo ich dann wirklich eine ganze Show durchfotografieren kann. Normal sind es ja ein, zwei Songs und das wars dann. Und ich kann dort so arbeiten, wie ich will. Das ist halt einfach Vertrauen, das darauf basiert.

U2tour.de: Haben Sie den Auftrag zum U2 Buch initiiert oder ist das vom Management von U2 gekommen?

Ralph Larmann: Die Idee zu dem U2 360° Buch hatten Willie Williams und ich. Das Buch ist nicht mein Buch, sondern es ist definitiv das Buch der Band. Letztendlich wurde es ja auch von der Band umgesetzt, bzw. von dem Layouter der Band [Steve Averill] umgesetzt. Es ist das Buch von U2, von Dylan Jones und mit einem Großteil von mir bebildert. Es hat dort auch ein paar andere Fotos drin, ich bin ja nicht die ganze Zeit dabei, das geht ja auch bei so einer Tour gar nicht, das wäre ja auch Quatsch. Willie Williams hat Bilder dazugesteuert, dann gibt es noch ein paar andere Sachen, etwa das Glastonbury Festival. Das Thema hat man auch dazugenommen, weil man einfach stolz war als Band dort zu sein. Man war ja auch nicht mit der Krake dort. Von daher ist es ein Buch von uns drei, wenn man so will. Ich war mit Initiator und da ich ein Großteil der Fotos dazu beigesteuert habe und weil man meine Fotos in der Art und auch in dieser Größenordnung dabei haben wollte, hat man mich auch mit auf den Titel genommen, was für mich eine riesen Ehre und das schönste Kompliment an meiner Arbeit ist. Was will ich mehr?



U2tour.de: Absolut. Ist das Titelbild von Ihnen?

Ralph Larmann: Nein.

U2tour.de: Also können Sie auch nicht die Geschichte erzählen, wie es dazu gekommen ist.

Ralph Larmann: Das Ganze hat während dem Aufbau stattgefunden und ich habe ja auch den Aufbau fotografiert. Wenn man sich das anschaut – mit was für einem Einsatz dort auch die einzelnen Techniker wirklich hochpräzise in einem absolut fixen Zeitraum arbeiten und diese Bühne aufbauen – also die Bühne steht ja schon. Dann habe ich auch in Newark (NJ) in New Meadowlands den Aufbau ab dem Technikeinsatz gesehen. Also das Bühnengerüst stand, dann wird die Technik – sprich Ton-, Video- und Lichttechnik – explizit eingebaut. Und das an einem Tag, nämlich am Tag der Show. Und am Abend der Show wird die gesamte Technik wieder herausgenommen, sodass nur noch das Gerüst der Bühne wieder steht, die wird dann separat abgebaut. Das ist halt einfach Wahnsinn. Da gab es dann wohl die Situation, dass der Screen dann hing und sich die für den Screen verantwortlichen Techniker diesen Spaß gemacht haben und sich an den Screen gehängt haben.

U2tour.de: Eine unglaubliche logistische Meisterleistung, die hier vollbracht wird um das Ganze auf- und abzubauen. Das konnten wir auch sehr oft am Ende der Konzerte beobachten, wie schnell eigentlich der Großteil der Bühne bzw. die Technik der Tour verschwunden ist in den halben Stunden, während man durch das Stadion nach Hause gegangen ist.

Ralph Larmann: Ja das ist unglaublich, was da logistisch geleistet wurde ist absoluter Wahnsinn. Deswegen ja auch so eine personelle Besetzung. Jake Berry, der hat auch noch das Equipment der Supportband mit heruntergeschoben, der steht da nicht in seinem Office und dreht Däumchen, nein, der steht auf der Bühne und schiebt die Kisten von der Bühne. Jake Berry ist halt auch ein sensationeller Typ, ich habe ihn ja vor Jahren bei den Rolling Stones kennengelernt, das ist ein Urgestein dieses Business – solche Typen, das sind einfach Unikate. Die sind dann für solche Produktionen auch wirklich entscheidend. Und das ist dann schon toll, solche Menschen kennenzulernen. Jake habe ich natürlich auch meine beiden Bildbände Stage Design und Stage Design Emotions geschenkt, weil er ja auch immer in Produktionen mitgearbeitet hat, die in den Büchern zu sehen sind. Das sind Typen – Wahnsinn. Die machen einfach einen hundertprozentigen Job.

U2tour.de: Ok, dann sind wir schon fast am Ende des Interviews. Abschließend möchte ich noch sagen, dass das Buch für mich unglaublich ist. Ich habe selten etwas gesehen, was eine Tour wie die 360° Tour so dokumentiert. Wir können das jedem nur wärmstens empfehlen. Die Art wie die Bilder gemacht wurden und auch die Fülle ist wirklich unglaublich. Und ich glaube, dass das einfach für alle, die dort dabei waren, egal bei welchem Konzert, ein perfekter Abschluss ist, um dieses Konzert nochmal Revue passieren zu lassen. Es gibt ja schon Tonaufnahmen und Videos darüber, aber so ein Buch, wo man darin blättern kann und diese hochauflösenden Bilder sieht mit diesen tollen Aufnahmen, das ist wirklich unglaublich. Zum Abschluss, Sie haben es schon kurz angedeutet, der dritte Teil von Stage Design steht an, was sind Ihre kommenden Projekte?

Ralph Larmann: Das kann ich noch nicht laut sagen, es gibt zwei Künstler mit denen ich momentan über ein Buch spreche. Auch eine Dokumentation über eine Tournee, weil es natürlich auch diese U2-Geschichte in dieser Form so noch nicht gibt. Ich kenne so etwas auch von keinem anderen Künstler. Es gibt ein Rolling Stones Buch „Live on Tour“, aber das ist halt ganz anders aufgezogen, es gab mal dieses "U2 Show" von einer englischen Fotografin. Hier war aber die Idee, weswegen auch die Band diesmal den Finger mit drauf gehabt hat, dass man gesagt hat: Wir wollen das hier nicht von irgendjemandem gemacht haben, wir wollen das Ganze selber in der Hand haben, wir wollen unsere Vorstellung, wie wir so etwas rüberbringen wollen so umsetzen. Deshalb ist das Buch auch wirklich von der Band und vom Management – Paul McGuinness ist dabei mit dem Vorwort, alle die hier in der Produktion involviert waren, sind auch in diesem Buch wiederzufinden. Es kommt direkt aus der Produktion. Dylan Jones ist natürlich auch ein Top-Autor, der das wirklich sprachlich in Perfektion gesetzt hat. Das ist dann auch die Kunst so etwas zusammenzubringen und ich würde zum Beispiel auch, bei großen deutschen namhaften Künstlern, einer Band oder einem Einzelkünstler, sowas nur mit einem guten Autoren zusammen machen. Ich finde das bekommt dann ganz eine andere Note. Das ist ja immer so eine Sache immer alles selber machen zu wollen, das ist nicht mehr mein Ding. Früher habe ich das mehr gemacht, heute konzentriere ich mich wirklich auf die Fotografie. Ich spüre auch, dass das Sinn macht auf die Fotografie massiv einzugehen mit einem Maximum an Qualität zu arbeiten und dass die fortführende Technik sich auch weiter entwickelt bei mir. Da lege ich den Fokus drauf.

Stage Design ist ja natürlich auch ein Thema das nie endet. Es wird immer wieder neue interessante, spannende, visuelle Produktionen geben. Auch im Kleinen. Ich sehe nicht nur die großen Produktionen sondern es gibt auch viele kleine spannende Sachen, die tolle kreative Elemente in sich haben und ich möchte mir Zeit nehmen sowas zu entdecken. Ich habe auch ein großes Projekt in New York geplant für das kommende oder spätestens übernächste Jahr: da wird der Fokus auch auf spannende Buchprojekte gehen. Um den Bogen zum U2 360° Buch zurück zu spannen: es gibt Tonaufnahmen, es gibt die DVD, aber ein Buch gibt uns die Möglichkeit, doch nochmal ganz anders in diese Produktion reinzugehen: die Details nochmal in Ruhe zu betrachten. Nicht in schnellen Schritten, sondern sich Bilder in Ruhe anzusehen. Sich wirklich in diese Bühne und Show reinziehen zu lassen auf eine Art und Weise wie es ein Video nicht kann. Und das ist auch das Schöne. Das war auch meine und Willie Williams Idee: den Fans ein Dokument in die Hand zu geben wo sie diese größte Tourproduktion aller Zeiten nochmal in einer Weise erleben können, wie es ihnen sonst nicht gegönnt ist. Ich bin auch froh dass das ganze preislich im moderaten Rahmen gehalten wird. Ich habe auch sehr viel Wert darauf gelegt. Der Verlag Random House hat mir sämtliche Proofs vom Buch geschickt um sicher zu gehen dass ich mit der Qualität zufrieden bin. Ich hatte vorher schon Proofs bekommen und hab die abgelehnt da die Qualität nicht entsprechend war. Ich habe alle Proofs abgesegnet. Ich hatte das Buch ja schon vor drei Monaten. Mir ging es wirklich darum, die Bilder, Qualität der Bilder, die Aussagekraft der Bilder auf ein Maximum vom Möglichen zu bringen, ohne das jetzt grafisch zu verlagern. Man sieht ja auch dass sich der Grafiker jetzt nicht da ausgetobt hat. Es geht um die Texte, wie die Bilder beschrieben sind. Die Texte sind klar, er hat eine klare Linie drin, das ist wirklich eine Dokumentation. Und das von der Band ausgehend, das zeichnet dieses Buch auch insbesondere aus.



U2tour.de: Was hat es denn mit der Special Edition auf sich?

Ralph Larmann: Es gibt keine Sonderedition. Das Buch an sich wird es in keiner anderen Form geben. Das einzige was geändert wird, ist die Sprachausführung. Auch die englische und deutsche Version unterscheiden sich nur in der Sprache voneinander. Ich habe letztens von einem Fan über Facebook die Frage bekommen was denn der Unterschied wäre weil die englische Version mit 300 Seiten und die deutsche Version mit 256 Seiten angegeben ist. Die englische Version hat auch nur 256 Seiten. Der 18. Oktober ist der offiziell weltweite Release-Day. Da wird auch nicht mehr dran gerüttelt. Bei der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt wird es auch entsprechend vorgestellt. Die deutsche Version ist auch schon in Hamburg im Container angekommen.

U2tour.de: Ich bedanke mich für dieses sehr ausführliche und offene Interview! Ich kann mich nur nochmal wiederholen: wir alle, die teamintern das Buch schon angesehen haben, sind wirklich hellauf begeistert wie das aufgearbeitet wurde! Wenn wir eine Empfehlung abgeben könnten für ein U2 Buch in den letzten 5 Jahren, dann ist das mit Sicherheit dieses. Auch die Geschichte des Buches hat uns sehr gut gefallen, weil es für uns die perfekte Fortsetzung von U2 by U2, U2’s offizieller Biographie, ist! Wir freuen uns schon auf ihre kommenden Projekte und hoffen dass wir ein paar Leute motivieren konnten sich auch für ihre anderen und zukünftigen Bücher zu interessieren! Viel Spaß bei der weiteren PR Arbeit!

Das Interview führte Reicht Dietmar.

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