Kaiser Chiefs


Interview mit den Kaiser Chiefs





Name: Kaiser Chiefs
Webseite: www.kaiser-chiefs.de
Gründung: 2003
Bandmitglieder: Ricky Wilson (Gesang)
Andrew "Whitey" White (Gitarre)
Simon Rix (Bass)
Nick "Peanut" Baines (Keyboards)
Nick Hodgson (Schlagzeug und Gesang)
Einleitung: Im Frühjahr 2005 hatte U2tour.de die Möglichkeit den Kaiser Chiefs Keyboarder Nick "Peanut" Baine zu interviewen (Interview jetzt lesen). Damals standen sie kurz vor ihren Support-Konzerten mit U2 und mitten in ihrem Durchbruch als eine der erfolgreichsten jungen britischen Bands. Knapp zwei Jahre später haben wir Peanut nun wieder getroffen: einen entspannten, sichtlich gereiften und nun ohne Hut posierenden Musiker, der mit uns über die vergangenen Monate, das neue Album "Yours Truly, Angry Mob" und natürlich auch über die Zeit mit U2 sprach.

U2tour.de:
Was ist seit unserem letzten Interview passiert?

Nick:
Ich denke hauptsächlich sind wir eine echte Band geworden. Wir haben seitdem so viele Phasen und Levels durchlaufen, an denen manche Band sicherlich kaputt gegangen wären. Aber wir haben es einfach wirklich nur genossen und sind daran gewachsen. Und wir haben realisiert, dass unsere Songs sich auch beim vielen spielen immer noch gut anfühlten und gut beim Publikum ankamen. Und selbst bei den U2-Konzerten haben wir uns nie verloren gefühlt. Als Support-Band kann man die alle im Stadion überzeugen, aber als Band hatten wir nie das Gefühl zu versagen, stattdessen fühlte es sich richtig und gut an.

U2tour.de:
Hat Euch der gigantische Wirbel um die Band nach Eurem Hitalbum ‚Employment' nichts weiter ausgemacht, wart ihr nicht irgendwann ausgelaugt?

Nick:
2005 war wirklich ein hartes Jahr, nicht nur weil wir U2 supportet haben. Wir haben wahnsinnig viele Konzerte gespielt und es war wahnsinnig viel los. Aber es hat sich ausgezahlt, wir sind nur dadurch die Band geworden, die wir jetzt sind. Das Jahr 2006 dagegen war schon fast wie Ferien. Die Leute dachten wir seien permanent auf Tour, aber wir hatten wirklich viel Zeit um am neuen Album zu arbeiten. Trotzdem haben wir unsere größte UK-Tour absolviert, waren in Europa unterwegs und sogar eine Woche in Japan. Aber im Vergleich zum Vorjahr war das echt nichts, es war super für uns. Und jetzt kommt das neue Album raus - und dann beginnt wieder alles von vorne.

U2tour.de:
Hat sich innerhalb der Band etwas verändert?

Nick:
Eigentlich nicht - außer das wir jetzt alle neue und große Häuser haben (lacht). Wir kommen immer noch super miteinander aus und haben viel Spaß zusammen. Klar gibt es mal Momente in denen man sich fragt wie das alles weiter gehen soll, aber der Spirit zwischen uns stimmt weiterhin.

U2tour.de:
Wo ist eigentlich Dein Hut geblieben?

Nick:
Die Phase ist vorbei. Als kleine Band braucht man, nun ja nicht wirklich Gimmicks, aber so kleine Besonderheiten an die sich die Zuschauer sofort erinnern. Sie verbinden das dann mit der Musik, die sie gehört haben und erinnern sich an dich. Aber das ganze sollte nicht überhand nehmen, deshalb ist es jetzt mit dem Hut vorbei. In Zukunft sollen sich alle nur noch auf die Musik und nicht unser Aussehen konzentrieren.

U2tour.de:
Jetzt mit ein paar Wochen Abstand zu den Aufnahmen zu ‚Yours Truly, Angry Mob' - bist Du weiterhin zufrieden mit dem Ergebnis? Oder gibt es Songs, wo Du sagst ‚Ach, da hätten wir noch hier und da was besser machen können'?

Nick:
Nein, erstaunlicherweise bin ich weiterhin sehr zufrieden. Wenn ich mir inzwischen ‚Employment' anhöre gibt es da durchaus ein paar Sachen, die ich verändern würde, aber beim neuen Album bisher überhaupt nicht. Wir sind einfach sehr zufrieden und fühlen uns auch einfach sicher mit dem Ergebnis - eben ganz anders als beim ersten Album.

U2tour.de:
Kommen wir auf Euren Support für U2 zu sprechen: wie war es für Euch?

Nick:
Es hat sich sehr gut angefühlt und irgendwie habe ich auch gar nicht das Gefühl, dass es schon so lange her ist. Die Erinnerung ist immer noch ganz frisch. Wir kamen gerade auf so einer richtig tollen Erfolgswelle rein - im April hatten wir eine sehr erfolgreiche UK-Tour gespielt und wir alle fingen richtig an, das ganze zu genießen. Und plötzlich waren wir Support von U2 und wir waren am Anfang verwirrt, nervös, eben weil wir doch noch eine kleine Band waren. Aber als wir dann auf die Bühne kamen und diese Massen an Menschen sahen und der Gig gut lief, war das ein Wahnsinnsgefühl. Und klar hatten wir nicht alle Menschen mitgerissen, aber vorne im Bombshelter war wirklich Stimmung und wir hatten das Gefühl die Leute mochten uns. Und diese großen Konzerte, wie auch unser Live Aid Auftritt, haben dazu beigetragen, dass wir wirklich Vertrauen in uns selbst und in unsere Musik gefasst haben.
In Madrid kamen dann Bono und The Edge zu uns in die Garderobe stellten sich kurz vor und bedankten sich für unsere Auftritte als Support. Bono fragte wie uns die Konzerte gefallen würden und wir sagten ihm, dass uns das große Publikum und die große Bühne wirklich Spaß machen würden und es sich echt gut anfühlte. Bono meinte daraufhin, dass ihn das freue, weil so viele andere Bands Probleme mit der Größe hätten und deshalb nicht wirklich von den Auftritten als U2-Support profitieren würden.

U2tour.de:
Beim Konzert in Berlin hast Du Dich sogar auf den Catwalk vorgewagt - nicht viele Bands haben das riskiert...

Nick:
Ja, das stimmt und ich erinnere mich, dass ich mich durchaus komisch dabei führte. Darf ich das jetzt, darf ich das nicht? Ich sollte das wohl nicht tun, aber es machte Spaß da ein paar Schritte hin zum Publikum zu laufen. Und ich hatte einen Heidenrespekt vor U2 und hinterher ein bisschen Angst, dass sie uns von der Bühne schicken würden. Denn eigentlich war die klare Ansage, dass die Catwalks für U2 reserviert sind. Aber wir haben uns eben Stück für Stück vorgewagt...

U2tour.de:
Das Berlin-Konzert stellte ja auch auf Grund der Terror-Anschläge in London eine Besonderheit da...

Nick:
Ja, wir waren an dem Vormittag in einem Photoshooting mit dem NME als plötzlich der Fotograf von seiner Freundin angerufen wurde und sie ihm alles erzählte. Daraufhin haben wir das Shooting erst mal unterbrochen und all unsere Freunde angerufen und nachgefragt ob alle ok sind. Aber abends war dann einfach nur die Show. Ich denke man kann das nicht anders angehen: jeden Tag passieren auf der Welt schlimme Dinge, Menschen werden ermordet, Kinder verhungern. Aber es ist nicht zu ändern. Und manchmal betrifft es einen persönlich und manchmal nicht. Aber dann hat es trotzdem jemand anderen persönlich getroffen - irgendwo auf der Welt. Aber das Leben geht weiter. Und wir können nicht rausgehen und jedem einzelnen Menschen auf der Welt helfen. Natürlich fühlt man sich dabei manchmal hilflos, aber man muss rausgehen weil das Leben weitergeht. Adam kam an dem Abend noch bei uns in der Garderobe vorbei, aber auch da war das kein großes Thema.

U2tour.de:
Hattet Ihr sonst Kontakt zu U2?

Nick:
Eigentlich kaum, Larry haben wir zum Beispiel gar nicht kennengelernt. Aber das hat einfach mit der Größe der ganzen U2-Maschinerie zu tun. Von U2 selbst ist wirklich wenig zu sehen und sie leben eben in dem besonderen Luxus, dass sie abends direkt zur Show einfliegen können. Davon waren wir durchaus schwer beeindruckt...
Aber es war absolut okay, nur wenige Monate vorher hätten wir uns nicht mal träumen lassen, dass wir Support von U2 sein würden. Und wir haben viele neue Freunde bei den Konzerten gemacht, die Jungs von Keane zum Beispiel. Die haben uns indirekt auch das Highlight bei den U2-Konzerten beschert, da sie ihren Support beim Konzert in Lissabon absagen mussten. Dadurch durften wir später und länger spielen. Und das war schon ein tolles Gefühl: das Stadion war schon fast komplett gefüllt und die Sonne ging unter als wir auf die Bühne kamen. Und dadurch kam erstmals auch ein bisschen Licht-Show zum Einsatz, das war einfach super. Das gab uns einen wirklich Eindruck, da sind wir auf den Geschmack gekommen und wirklich hungrig geworden. Es war einfach einer dieser Momente...

Vielen Dank für das Interview

Interview und Übersetzung: Björn Lampe

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