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U2 News » Unknown Caller - O how marvelous, o how wonderful!


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  » Song For Someone - U2 Songs im Fokus

   Bonoman

   23.02.2019 um 14:27 Uhr

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In dieser neuen Kategorie werden wir in unregelmäßigen Abständen einzelne U2 Songs betrachten und aus persönlicher Sicht - d.h. sehr subjektiv - besprechen. Anlässlich des 10. Geburtstags von No Line On The Horizon macht Unknown Caller den Anfang. Was meint Ihr? Teilt Ihr die Meinung unseres Mitarbeiters Daniel, der den Song zu seinen absoluten Favoriten zählt?

U N K N O W N C A L L E R



  • Album: No Line On The Horizon, Track Nummer 4
  • Veröffentlichung: 27. Februar 2009
  • Single: nein
  • Live-Performance: erstmals 29.06.2009, Barcelona 360° Tour
  • Besonderheiten: 'Titelsong' von A. Corbijns Film Linear

Wenn ich nach meinen Lieblingssongs von U2 gefragt werde, erhalte ich meist zustimmende, wenig verwunderte Reaktionen:

BAD, RUNNING TO STAND STILL, ACROBAT – bejahendes Nicken, "großartige Songs"…
ONE – "Ja natürlich, Jahrhundert-Song"…
ELECTRIC CO – "Ja, der rockt, live großartig"…
Dann aber:
UNKNOWN CALLER – fragender Blick, "Oh, echt?, Warum das denn?, Der ist schon gut, aber Lieblingssong, hmm…"

Ja, warum eigentlich? Unknown Caller ist für mich der beste Song auf einem sehr starken Album, das ich persönlich in meine Top3 U2 Veröffentlichungen einreihe (womit ich vermutlich ziemlich alleine dastehe). Bei dem Versuch einer Erklärung habe ich oft meinen Vater vor Augen, der das erstmalige Hören des Songs mit folgenden Worten quittierte: "Mensch, die alten Recken von U2, über 30 Jahre dabei und dann hauen die mal eben so eine Nummer raus." Ich verstand sofort, wie er das meinte, anerkennend, voll des Lobes über so viel Kreativität, aber sich gleichzeitig vor Auge führend, dass die Band inzwischen eine enorme Reife besitzt, eine Art Souveränität aus Erfahrung. Genau das nämlich ist Unknown Caller für mich: einer der reifsten U2 Songs überhaupt, eine Nummer aus der unglaublich viel Selbstvertrauen spricht, das Wissen darüber, es niemandem mehr beweisen zu müssen.

Allein das Intro mit Vogelgezwitscher…"Sunshine, Sunshine…." – vielleicht hielt man kurz inne und dachte "Schon irgendwie kitschig…", aber in meiner Vorstellung folgte diesem vermeintlichen Zweifel ein überzeugtes "So what? Es passt hier halt einfach und darum machen wir es!" Und man könnte augenzwinkernd ergänzen "Wo wir gerade dabei sind, runden wir das Ganze zum Ende mit einem fulminanten, leicht Pathos getriebenen Orgel-Horn-Outro ab." Ich persönlich liebe es, der absolute Höhepunkt, nicht zuletzt weil daran eines der seltenen Edge Solos anschließt und dafür sorgt, dass ich jedes Mal aufs Neue ergriffen bin. Nicht umsonst urteilte Dallas Schoo im Q-Magazine: "One of Edge’s major solos in his life – you won’t hear better than that on any other song." Die letzten gut 90 Sekunden machen aus einem sehr guten einen überragenden Song.


Eigentlich kein Wunder, dass bei diesem wunderbaren Setting ein so schöner Song entsteht, oder? ©Rolling Stone, photograph by Shan Lui

Indem das Orgel-Outro die Melodie der Kirchenhymne "My Savior’s Love" aufgreift, harmoniert es auf kongeniale Art und Weise mit Unknown Callers Lyrics. Das Zwiegespräch des Protagonisten mit seinem Telefon, nennen wir es Gott, das ihm im Chorus Anleitung für einen Neuanfang gibt, gipfelt in einer instrumentalen Lobpreisung – das ist so rund und schlüssig wie das gesamte Arrangement des Songs. Kaum zu glauben, dass eine Nummer, die in nur vier Stunden in einem einzigen Take entstanden sein soll, so sehr ‚aus einem Guss‘ erscheint. Dafür braucht es vermutlich den perfekten Ort, die perfekte Zeit und vier Musiker, die sich blind verstehen. An diesem sonnigen Tag in Fez schien all das gegeben und selbst die Vögel, die durch das offene Dach des Innenhofs ihr Geschäft auf Larrys Drums verrichteten, konnten daran nichts ändern.

Ich kann verstehen, wenn einigen Leuten das "Oh oh oh oh / Oh oh Oh oh…" zu viel ist, mir persönlich gefällt es sehr gut, es unterstreicht Anmut, Einträchtigkeit und Optimismus des Songs. Oder um es mit Niall Stokes zu sagen "the massed voices gather on the chorus, in a very male display of togetherness (...)". (Niall Stokes, U2: Songs + Experience)

Unknown Caller ist übrigens einer der wenigen Titel, die ich bevorzugt in der Album-Version höre. Zwar hat mich jede Performance während der 360° Tour begeistert und der Chorus rechtfertigt durchaus das Prädikat 'Stadion-Hymne' - die Vollkommenheit der Aufnahme aus Fez kann der Song live jedoch kaum erreichen.

In meiner Bewertung habe ich nicht an Attributen gespart: reif, souverän, anmutig, harmonisch…unterm Strich bedarf es aber eigentlich nur einer Umschreibung, um Unknown Caller zu charakterisieren – schön; Unknown Caller ist einfach ein unglaublich schöner Song!
Und darum schließe ich mit den Worten aus "My Savior’s Love": O how marvelous, o how wonderful!

 




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