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U2 News » U2: Paris, AccorHotels Arena, 08.09.2018 – ein persönlicher Reiseblog


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   11.09.2018 um 15:28 Uhr

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Mittlerweile dürften viele Leute schon eine Show der aktuellen U2-Tour gesehen haben und kennen die Setlist und das Konzept. Eine Konzertreview darüber kann sich im Grunde ja nur wiederholen, darum gibt es heute mal einen kleinen Reisebericht über nicht mal 24 Stunden Paris.

U2-Konzerte in Paris sind immer eine Reise wert. Für uns gehört der Trip mittlerweile seit vielen Touren zum Pflichtprogramm auf unserem persönlichen Tourplan. Die Präferenzen sind da sicher bei jedem Fan anders verteilt. Viele schwören auf die Heimspiele in Dublin, andere setzen auf Spanien und Konzerte in Italien stehen auch immer hoch im Kurs. Paris und U2 passt aber einfach immer und die bisherigen Shows, die wir da erleben durften, wurden von einer ganz besonders intensiven Stimmung begleitet.

Die Erwartungshaltung ist an diesem Samstag auch entsprechend groß. Gar keine Erwartungshaltung hat man ja an die Sanitäreinrichtungen auf den belgischen Parkplätzen. Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, die Entwicklung geht – so unser Eindruck auf der Hinfahrt - immerhin in die richtige Richtung. Wenn es sich aber vermeiden lässt, dann sollte man die Strecke bis nach Paris in einem Rutsch durchfahren. Übrigens noch ein Grund, der immer für die Stadt der Liebe spricht: man kann das unglaublich gut mit dem Auto bewerkstelligen. Zur Abreisesituation kommen später noch ein paar Worte.
Hat man Deutschland erstmal verlassen, dann ist das ein sehr entspanntes Fahren.

Nach 5 Stunden erreichen wir dann schon die Arena. Nur, wo ist denn das von uns vorab gebuchte Parkhaus? Das ist der Nachteil an dieser Stadt: mit den verinnerlichten deutschen Verkehrsregeln kommt man hier nicht weit und so ist das eben eine Suche unter erschwerten Bedingungen, bei der auf einer einspurigen Fahrbahn auch gerne mal drei Personenkraftwagen den Versuch starten nebeneinander zu fahren – während sich in dem nicht vorhandenen Zwischenraum mindestens noch ein Roller oder Motorrad dazwischen quetscht. Ruhe bewahren und Sicherheit ausstrahlen. Notfalls auch einfach mal hupen. Machen ja eh alle.

Das Parkhaus liegt gut versteckt, lässt sich aber irgendwie doch noch finden und ist gesichert wie die Kronjuwelen der Königin. Code eingeben durch das erste Tor reinfahren. Nach ein paar Metern steht man vor dem nächsten Tor und die Prozedur muss wiederholt werden. Tja, mit der Deckenhöhe, die im Internet angegeben wurde, hat man es da offensichtlich nicht so genau genommen. 1,90 Meter? Hurra, ich bin offensichtlich auf der Fahrt gewachsen, denn dafür muss ich nicht mal aussteigen, um festzustellen, dass ich mich im Untergeschoss unter den diversen Balken bücken müsste.

Wer also ein Auto mit einer Höhe von mehr als 1,80 Meter sein eigen nett und gerne mal ein Cabriolet hätte, ist in diesem Parkhaus goldrichtig. Ein bisschen Gas geben, den Rest erledigen dann die Balken.
Zum Glück gibt es dann noch ein zweites Untergeschoss und da findet sich sogar ein Eckchen für Personenkraftwagen, die nicht gerade die schnittige Form von K.I.T.T. haben. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir dann auch endlich den Ausgang. Code eingeben und willkommen in der Freiheit. Nicht ganz. Man kommt dann nämlich in eine Art Vorraum und man will gar nicht so genau wissen, woher das Blut an den Wänden und den auf dem Boden liegenden Tüchern stammt.

Die Stadtteil Bercy gibt sowieso an vielen Stellen ein Bild der Gegensätze ab. Auf der einen Seite stehen die U2-Fans in einer schier nicht enden wollenden GA-Schlange an, auf der anderen suchen Obdachlose nach etwas Essbarem im Müll. Dort sieht man runtergekommene Häuser, deren Eingänge als Schlafplätze dienen, während ein paar Meter weiter die schönsten Prachtbauten zu bewundern sind.

Nachdem wir uns ein bisschen in Bercy umgeschaut haben und an der – gefühlt – kilometerlangen GA-Schlange vorbei sind, geht es dann auch direkt in die Halle. Kurzzeitig fühlt man sich wie auf dem Flughafen, denn die Sicherheitskontrollen laufen mittlerweile ganz ähnlich ab. Schlimme Zeiten sind das. Das Pariser-Publikum lässt sich aber die Lebenslust nicht nehmen, aber dazu gleich mehr.

Unsere Plätze im Inneren der Halle sind unter den gegebenen Umständen schlichtweg genial. Gegebene Umstände? Heute ist die einzige Show, wo wir Sitzplätze haben und dann auch noch die 40 Euro Dinger. Wir haben nicht viel erwartet, aber was wir da geboten kriegen ist wirklich mehr als ordentlich. Seitlicher Blick auf den kompletten Screen, Hauptbühne bestens zu sehen, B-Stage sowieso. Prima. Manko: die Tribüne in unserem Block ist so steil wie im alten Rom. Mein lieber Herr Gesangsverein. Stehen kann man während des Konzerts wohl eher vergessen.

Ein Blick in den Innenraum sorgt auch für Erstaunen. Beide Seiten sind gerammelt voll. Und zwar so richtig voll. Hier oben zieht es wie Hechtsuppe und die Klimageräte sorgen für den nächsten Schnupfen, aber da unten dürfte es bei dem Gedrängel muckelig warm sein.
Oha, vor uns werden Luftballons aufgeblasen. Im Innenraum sind auch welche zu sehen. Kurz bei den beiden jungen Damen nachgefragt und insgeheim wusste ich, dass das ein Fehler ist. Hier bestätigt sich dann mal wieder, dass der Franzose gerne und viel spricht, aber eben nur die eigene Sprache. Radebrechend wird mir ein Mischmasch aus französischer und englischer Sprache präsentiert – im Ergebnis gibt das aber kaum Sinn. Irgendwas will die Dame mir auch aufblasen. Einen Ballon, nehme ich mal an. Ich lehne vorsichtshalber aber mal ab. Sicher ist sicher. Flashmob kann ich mir noch zusammenreimen. Noch mal nachgefragt, wann denn die Aktion starten soll. Tja, wenn man das jetzt wüsste. Könnte es der Konzertanfang sein? Würde ja Sinn machen. Meinen dann auch die beiden Damen. Nun denn. Derweil schwappt die Laola-Welle schon durch das weite Rund und so langsam sind die Franzosen auf Betriebstemperatur.

Und diese wird den ganzen Abend auch nicht mehr gesenkt werden. Im Gegenteil. Die Stimmung kocht mal wieder. Zeitweise hat man das Gefühl, dass das Dach wegfliegt. Uns hält nichts mehr auf den Plätzen und wir gehen runter an die Reling und werden das komplette Konzert dort verbringen. Einige Franzosen tun es uns gleich und so kann auch dort die Party starten. Und die startet – und wie! Auch auf der Bühne.
The Edge ist heute mal ordentlich "On Fire". Bono ist auch wie der berühmte Hund, der von der Kette gelassen wurde, drauf und Adam lässt während "Pride" auf seiner C-Stage sogar Selfies mit sich machen. Seinem Schatten und Bodyguard gibt er ein kurzes Zeichen, dass das vollkommen in Ordnung so ist. Und Larry? Der ist wohl auch in der Halle. Habe ich gehört. Paul McGuinness ist lt. Bono auch anwesend.

Natürlich nimmt Herr Hewson auch Bezug auf die tagesaktuelle Politik und so erwähnt er den "Marsch für das Klima", der am heutigen Tag stattfand. Der Klimawandel wird ebenso thematisiert wie die ehemalige Front National, die sich im Juni in Rassemblement National umbenannt hatte. Marine Le Pen ist heute wohl eher nicht unter den Zuschauern zu finden Gut so!

Absoluter Schwach- und Tiefpunkt der Show ist mal wieder "The Ocean". Erklärbär Bono redet auch heute wieder endlos lang. Da könnte man auch die Zeit nutzen und die "Buddenbrooks" lesen. Man sollte dem Mann an dieser Stelle einfach mal das Mikrofon wegnehmen.
Ich überbrücke die Zeit um mir die hiesigen Sanitäreinrichtungen anzusehen und den Getränkevorrat aufzufrischen. Kann ich jedem an dieser Konzertstelle nur empfehlen, dann ist der Bruch nämlich gar nicht mehr so schlimm. Musikalische Höhepunkte sind für mich "Red Flag Day" , "Acrobat" und "New Year's Day".

Mittlerweile bin ich auch mit der Show warm geworden. Ich finde, das hat durchaus das Potenzial zu wachsen. Das mag nicht die Mördersetlist sein, aber die Geschichte, die da erzählt wird, hat schon Hand und Fuß und wenn man sich darauf einlassen kann und will, dann funktioniert das prächtig. Mich holt die Band damit jedenfalls ab. Mit anderen Touren sollte man das nicht vergleichen. Wichtig ist Hier und Jetzt! Ob uns das packt und Spaß macht. Tut es! Es langweilt – zumindest uns – auch nicht, obwohl wir das heute ja nicht zum ersten Mal sehen und hören. Im Gegenteil, wir freuen uns schon jetzt auf unsere Fortsetzung der Tour.Einen großen Anteil daran hat natürlich auch das Publikum. Die Stimmung in Paris ist einfach mal wieder erstklassig. Schon jetzt steht fest, dass wir – wann auch immer das sein wird – bei der nächsten Tour Paris wieder auf dem persönlichen Tourplan haben werden.

Setlistdiskussionen sind bei U2 ja schon so alt wie das Internet. Bei der aktuellen Tour ist das starre Konzept meiner Meinung nach gar nicht so sehr das Problem. Wenn man da einfach noch zwei bis drei weitere Songs unterbringen würde, wäre das eine richtig runde Geschichte. Angeblich wurden ja beispielsweise noch "The Unforgettable Fire", "Stay" und "Wild Horses" geprobt. Die drei Dinger noch fest zusätzlich rein und es wäre eine erstklassige Tour. Auch mit starrer Setlist!
Trotzdem ist das in Paris ein runder Plunder und aus unserer Position heute kann man dann auch mal sehen, was sich auf dem Boden der B-Stage optisch so alles tut. Guckt man sich mehrere Shows an, dann sollte man jeweils einen anderen Standort wählen und man wird so immer wieder neue Dinge entdecken.

Überraschend schnell ist man nach dem Ende des Konzerts aus der Halle raus. Draußen wird man von der Polizei mit MP im Anschlag in Empfang genommen. Schade, dass das heutzutage zu einer solchen Veranstaltung dazu gehört.

Nach dem Konzert treffen wir uns noch kurz mit einem deutschen U2-Freund und dann geht es auch schon zurück nach Fort Knox. Man muss der Pariser Polizei abermals ein ganz großes Kompliment machen. Wie da der Verkehr mit vielen Einsatzkräften geregelt wird, ist mal wieder allererste Sahne. Eigentlich hatten wir 0h anvisiert um auf der Stadtautobahn zu sein, aber um 0h haben wir Paris schon längst hinter uns gelassen. Mit der Liebsten in der Stadt Liebe bei der Lieblingsband – immer wieder gerne, besser geht es nicht! Ein paar Flügeldrinks später liegen wir um 4.30h dann im Bettchen und freuen uns auf unsere Fortsetzung der Tour.

Paris, wir bedanken uns, es war uns mal wieder eine Ehre! Fortsetzung folgt…



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