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U2 News » U2: 04.und 05.09.2018, Lanxess Arena, Köln – ein paar persönliche Eindrücke


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   08.09.2018 um 10:36 Uhr

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Nachfolgend ein kleiner Bericht der etwas anderen Art. Hierbei geht es weniger um einen Konzertbericht über die Konzerte von U2 in Köln, sondern vielmehr um ein paar Eindrücke, die man von den Shows mitnimmt. Dies ist natürlich über alle Maßen subjektiv und bei jedem anders. Selbstverständlich spiegeln die nachfolgenden Zeilen – insbesondere zum Konzert und der Band - nicht die Meinung des Teams von U2Tour.de wieder – eh klar.

Zunächst mal ein paar Eindrücke zum Konzert selber. Nachdem die Band das zweite Konzert in Berlin nach fünf Songs - aufgrund von Stimmproblemen von Bono - abbrechen musste, stellte sich natürlich die Frage, ob man davon in Köln etwas merkt. Immerhin gab es grünes Licht für die Konzerte. Der Band ist bei der ersten Show schon eine, aus meiner Sicht, gewisse Anspannung anzumerken. Hochkonzentriert agieren die Herren da. Das starre Showkonzept wird durchgezogen, die Handbremse aber nie so richtig gelöst. Verständlich, denn das dritte Konzert des Europa Leg soll schließlich wie geplant über die Bühne gehen. Von Stimmproblemen ist bei Bono weitestgehend nichts zu spüren. Man merkt allerdings hin und wieder, dass er einige Höhen scheut und manche Passagen auch eher spricht, denn singt. Die Nebelmaschine hat man bei "The Blackout" auch gar nicht erst angeschmissen und wird man vermutlich auch im weiteren Tourverlauf nicht mehr tun. Vernünftig! 


Was 2015 angefangen hat, nimmt also nun in 2018 wieder den Faden auf. Was beim ersten Teil noch so grandios war, ist nun allerdings irgendwie ziemlich holprig. Ich bin zu keiner Zeit in der musikalischen Reise von U2 drin (das kann aber auch andere Gründe haben, dazu später mehr). Mir ist das alles zu abgehackt, nicht fließend. "Red Flag Day" ist für mich ein früher Höhepunkt im Set und mit "Beautiful Day" wird die Stimmungsmaschine für die Halle angeschmissen, die mit "The Ocean" aber wieder jäh unterbrochen wird. Bono gibt hier den Erklärbär und schwafelt eine gefühlte Ewigkeit über das Konzept und erklärt und erklärt und erklärt. Das ist kein gutes Zeichen, denn wenn man den Zuschauern noch ausschweifend das ganze Konzept näher bringen muss, dann kann irgendwas nicht richtig funktionieren. Das sollte ja für sich stehen und dazu braucht es ja eigentlich keinen Beipackzettel, den Bono den Zuschauern wortreich in die Ohren drückt. Zudem muss ich an dieser Stelle an Kinder denken, wenn sie im Alter ab drei Jahren mit ihren Altersgenossen anfangen zu spielen und das Spiel zunächst minutiös besprechen "Ich bin die Prinzessin und hätte wohl…" "Du tätest dann…." "Dann sagst Du wohl"… Die Stimmung jedenfalls ist in der Halle im Keller. 

Es folgen vier weitere Songs und gerade als mit "Until The End Of The World" die Halle wieder komplett steht, gibt es schon wieder den nächsten Bruch. "Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me" wird in der Gavin Friday-Version vom Band eingespielt und die Leute setzen sich einstweilen wieder hin. Immerhin gibt es dann mit "Elevation", "Vertigo" und "Even Better Than The Real Thing" mal ein bisschen Vollgas am Stück. Dann folgt der Fantraum "Acrobat" – für Hardcorefans zurecht ein magischer Moment der Show. "Acrobat" und eine für mich unfassbar tolle Version von "New Year's Day", sind die einzigen beiden Songs, die mich musikalisch heute mitreißen, der Rest rauscht – auf die Musik bezogen – völlig ereignislos an mir vorbei. 

Jetzt kommt der pathetische Teil des Texts und vielleicht sollte der eine oder andere ab hier nicht mehr weiter lesen. Die aktuelle Tour ist eine Mischung aus sehr persönlichen Einblicken und sehr vielen politischen Botschaften. Klar, das kennt man von der Band. Weiß auch die Presse. Darum kann man dort hin und wieder lesen, dass es das eigentlich nicht braucht, weil ja U2-Fans per Definition schon auf der richtigen Seite stehen und mit Sicherheit gute Menschen sind. Sind sie das? Wirklich? Nein! Im Grunde ist diese große Masse an Fans nichts anderes als ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ist das nicht selbstverständlich? Könnte man meinen, aber die Presse sieht das oftmals anders. Neulich habe ich sogar was von einem unvergleichlichen Ehrenkodex, den es angeblich unter den Fans geben würde, gelesen. Es gibt da diese Sorte U2-Fan, der sich gerne mit unglaublich viel Empathie im Internet präsentiert, sich letztlich durch das eigene Tun und Handeln aber auch nur als respektloses, egoistisches und über alle Maßen verletzendes – Entschuldigung - Arschloch entpuppt. Der Nachwuchs ist dabei anscheinend völlig egal und wird ausgeblendet. 
Wie ich jetzt darauf komme? Ein Blick auf den Screen reicht da völlig aus. Ja, da mag es so manche Botschaft geben, die einem mit dem Holzhammer eingehämmert wird und Kinder spielen da auch eine zentrale Rolle. Kinder, die mit Stahlhelmen eigentlich das tun, was Kinder eben tun sollten. Die Botschaft kann man zu viel finden. Man kann das auch albern finden. Mich trifft das an diesem Abend mit voller Wucht. Was kann man unseren Kindern zumuten und noch alles antun, frage ich mich da. Ich frage mich auch, wie es manche Menschen schaffen sich als U2-Fan zu bezeichnen, gleichzeitig aber offen Werbung für eine rassistische und völkische Partei machen? Bei den ganzen Bildern und Botschaften auf dem Screen stelle ich mir so viele Fragen. Eins ist für mich aber klar: in diesen Zeiten kann es NIE zu viel sein und vielleicht kommt bei dem einen oder anderen Konzertbesucher ja doch noch was an. Manche sollten allerdings an diesem Abend nicht in dieser Halle stehen.

U2 stehen und standen schon immer für einen ganz besonderen Spirit. Für Freundschaft, Respekt, Liebe und genau darum ist der Konzertausklang mit "Love Is Bigger Than Anything In Its Way" und "13" für mich absolut passend! Es schließt sich ja auch ein Kreis. 

Was bleibt von der ersten Nacht in Köln? Rein auf den Flow der Show bezogen und wie mich die Musik mitgenommen hat, wird es als eines jener Konzerte in meine persönliche U2-Historie eingehen, welches zu den schwächeren zählt. Auf der anderen Seite wird es aber auch den Platz des für mich nachdenklichsten, gar traurigsten Konzerts einnehmen. Die Bilder auf dem Screen lassen mich jedenfalls nicht kalt und so stehe ich an diesem ersten Abend wie angewurzelt in der Halle. Vermutlich habe ich nicht mal geklatscht….ich weiß es nicht mehr. 

Der zweite Abend wird völlig anders werden! Woran das liegt? Dieses Rätsel habe ich bis jetzt noch nicht gelöst. Der Tagesablauf, auch mit unseren KinderN, ist so ziemlich identisch. Beim zweiten Köln Konzert sind wir mit vielen netten Leuten und Freunden da, am ersten Abend aber auch. Trotzdem ist die Stimmung irgendwie eine ganz andere. Gelöster. Vorab wird mit vielen, wie man heute sagt, Lieblingsmenschen gefachsimpelt, angestoßen und geflachst. Durch eine unglaubliche Fügung des Schicksals und den Einsatz von lieben Freunden, kriegen wir heute ein Upgrade für die Red Zone. So macht sich dann eine Abordnung von unserem Tross auf in diesen Bereich. Inwieweit das zur Freude der dort verweilenden Menschen beiträgt, darf allerdings bezweifelt werden. 

Über das Set muss man ja nicht viele Worte verlieren, denn eine Variation zum ersten Abend gibt es nicht. Trotzdem ist die Stimmung auf der Bühne, aber auch in der Halle wesentlich ausgelassener. Die Band spielt teilweise wie entfesselt auf. Das überträgt sich auch auf die Ränge. Die Stimmung ist definitiv besser als bei der ersten Show. Trotz der Brüche, die dieses Set und Konzept nun mal bietet, wirkt das alles wesentlich runder. Heute ist die Verbindung zwischen Band und Publikum auch anders. Da ist sie doch, diese Magie, für die man U2-Konzerte so liebt. 

Schade ist es natürlich, dass die vier Herren da nicht weiter drauf eingehen und anscheinend nicht in der Lage sind, spontan mit einem kleinen Schmankerl zu reagieren. Trotzdem ist das ein gutes Konzert. Macht Spaß. Wir hüpfen, tanzen und singen und der eine oder andere in der Red Zone guckt ein bisschen irritiert. Heute menschelt es auch mehr. War Adam noch am Vorabend voll konzentriert und achtete immer auf seinen Sänger, um seinen Einsatz nicht zu verpassen, versemmelt er heute den Einstieg bei dem abermals grandiosen "New Year's Day". Es menschelt aber auch noch in anderer Hinsicht. Als der Bassmann bei "Pride" auf seiner C-Stage steht, beschäftigt er sich sehr ausgiebig mit dem kleinen Mädchen hinter sich auf der Tribüne. Die Kleine weiß gar nicht wohin mit ihrer Freude. Larry reagiert auf ein hochgehaltenes Schild und verschenkt seine Drum Sticks an die beiden Damen, die aus Las Vegas und L.A. angereist sind. 

Es sind manchmal die Kleinigkeiten, die einen normales Konzert zu einem besonderen machen. So starr die Setlist auch sein mag, so unterschiedlich waren doch die beiden Abende in Köln – das hat man auch an den Reaktionen im Publikum gemerkt. Letztlich stehen die beiden Konzerte für mich für einen sehr nachdenklichen ersten Abend und für eine große Party am zweiten! Es war mal wieder eine Freude so viele, viele bekannte und nette Menschen getroffen zu haben. All diese Menschen machen solche Konzerte zu etwas ganz Besonderem und bereichern das Leben. Vergessen wir die Arschlöcher! Zumindest für einen kleinen Moment! Die soll, um es mit den Worten der Chefin zu sagen, der Blitz beim Kacken treffen. Die diesjährige U2-Klassenfahrt ist aber ja noch lange nicht vorbei – ich freue mich auf die Fortsetzung mit euch!



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