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26.11.2015
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Don't worry baby, it's gonna be alright

2014: Ich hatte U2 für ca. 2 Jahre aus sämtlichen Playlists verbannt. Ich brauchte sie nicht mehr. Viele tolle Bands haben Platten rausgebracht. Da war zeitweise kein Platz mehr für U2. Nach 3 U2-Konzerten auf der Vertigo Tour und 3 weiteren auf der 360-Tour liegen meine Frau und ich nun auf Mallorca am Strand und hören zum ersten mal das neue U2-Album "Songs Of Innocence". Ich werde die Produzenten der Platte wenige Stunden nach dem ersten hören im U2-Forum mit Dieter Bohlen auf eine Stufe stellen und die Band mit der Musikalischen Vielfalt von Modern Talking vergleichen. In den kommenden Wochen verbessert sich jedoch meine Einstellung zur neuen Scheibe merklich. Insbesondere "Iris", "Cedarwood Road", "Volcano" und "Sleep Like A Baby Tonight" stehen bei mir ganz hoch im Kurs. Die Planungen für die Tour können beginnen...

10.09.2015: Wir sind im Urlaub. Zandvoort. 30km außerhalb von Amsterdam am Meer während U2 im Ziggo Dome 4 Konzerte geben. Meiner Frau habe ich in den Tagen und Wochen vor dem Urlaub immer wieder beteuern müssen dass es keine Chance gab an Tickets zu kommen. Trotz dieser "unfassbaren" Tatsache ließen wir uns den Urlaub nicht vermiesen. Wir hatten ja im Hinterkopf das gute Gefühl, Karten für Berlin 3&4 und Köln 1&2 zu haben. Was meine Frau in den ersten Tagen im Urlaub noch nicht wusste: Ich hatte Tickets für U2 im Rucksack. 2 Tage vor dem dritten Konzert in Amsterdam fielen ihr beim aufklappen des Prospekts vom örtlichen Fahrradverleih zufällig 2 Karten für Ams3 Innenraum vor die Füße. Erster Satz meiner Frau: "Alter wo hast du die denn her? Wie krass ist das denn?" Zum ersten mal liefen bei ihr die Tränen. Ams4 Innenraum habe ich dann zufälligerweise auch noch.

Amsterdam 11.09.: Wir sind auf dem Weg zum Hotel der Band...und kommen 20 Minuten zu spät. Edge hat wohl einer Hand von Fans Autogramme gegeben. Wir sind leicht angepisst, hatten wir bisher doch noch nie einen der vier Bandmitglieder persönlich getroffen. Wir fahren wieder nach Zandvoort inklusive einem Höllenritt mitten durch die Innenstadt von Amsterdam (mit dem PKW sehr zu empfehlen). Dagegen sind Köln oder Berlin Kinderkram. Erstmal gemütlich am Strand Abendessen...wir ärgern uns immer wieder mal zwischendurch, genießen aber trotzdem den Sonnenuntergang. Unser Trauzeuge schreibt uns eine SMS dass er zwar Karten für Köln1 beim WDR gewonnen hat, man ihm aber noch nicht versichern könne auch Innenraum Karten zu bekommen. Wir kommen ins Grübeln...Amsterdam 4 auf einem Sonntagabend, Montag 6:30 Uhr klingelt der Wecker. Wir grübeln weiter...schließlich schreiben wir ihm "willst du die Karten haben?" Wir können es irgendwie nicht zulassen dass unsere Freunde bei dieser Tour was Innenraumkarten angeht leer ausgehen könnten und die Tatsache dass wir selber noch Tickets für Berlin 3 & 4 haben, lässt uns hoffen keinen "Fehler" zu begehen. Man hat ja schließlich Songs wie "Bad" und "40" selber noch nie live gehört.

Amsterdam 12.09.: Wir fahren gegen 11 Uhr los und parken direkt unter der Amsterdam Arena. Spät in der Nacht werden wir feststellen dass wir wohl einen Fehler gemacht haben mit dem Parkticket und deutlich günstiger hätten parken können mit einem Spezialtarif. Wir zahlen später irgendwas an die 25€, aber es wird mir sowas von egal sein... 16:30 Uhr stehen wir in der GA-Line. Der Sänger meiner alten U2 Tribute Band schaut vorbei, er steht etwas weiter hinten. 6 Jahre nicht mehr gesehen, es wird ein bisschen geplaudert. Schließlich geht es irgendwann rein in die Halle. Wir landen auf Adams Seite an der e-Stage, 2. Reihe und sind zufrieden. Was war das ein Stress 2005 und 2009/2010. Diesmal, alle(s) total relaxed und das soll sich auf den noch kommenden Shows auch nicht ändern. Unser siebtes U2-Konzert, das erste in einer Halle und dann noch einer relativ "kleinen". Irgendwann geht die Show los...wir sehen Bono. Den kleinen Wackelpeter mit der Frisur von Marco Reus. Das Intro von Miracle, einen der Songs der mich auf der Platte eher wenig bis gar nicht begeistert wird aus vollem Halse "mitgebrüllt". Von den ersten Songs bekommen wir nicht viel mit. Wir sehen nur die Scheinwerfer über den Köpfen derer, die uns bei eigener Körpergröße von 1,65m und 1,75m die Sicht versperren. Es ist egal...es wird mitgebrüllt. Das erste Highlight nach den Powerblock am Anfang für mich: "Iris". Wohl einer der intimsten U2-Songs der letzten Jahre und zugleich einer der mich immer an meine Mutter denken lässt. Ich sehe ja eh nix, also Augen zu und singe dann quasi als einziger in meinem Umfeld lautstark mit, wie es kurz zuvor noch alle bei "I Will Follow" gemacht haben. Bei "Cedarwood Road" sehen wir den Screen zum ersten Mal in Aktion, können Bono darin aber aufgrund des ungünstigen Blickwinkels nur erahnen. Edge kommt dafür mal etwas näher und sein Sound bei CR...das fetzt einfach. Auch "Raised by Wolves" rockt live deutlich besser als auf der Platte. "Until The End Of The World"...wir denken uns warum Bono bloß Wasser spuckt? Schließlich stehen alle 4 Jungs vor uns und geben "Even Better Than The Real Thing" zum Besten, gefolgt von "Mysterious Ways" mit einem Mädel auf der Bühne die wirklich weiß wie man zu dem Song richtig tanzt. "Elevation" danach geht so dermaßen ab, meine Frau filmt, alle hüpfen, selbst das Mädel auf der Bühne hüpft wild mit...das kann sie auch, denn das tolle Smartphone dass eigentlich bewegte Bilder auf den Screen übertragen sollte funktioniert nicht. Alle lassen an der e-stage die Sau raus. Dann bekommen wir "Volcano" serviert. Einen Song den ich auf der Platte mit "Sleep Like A Baby Tonight" mit als den besten und dreckigsten empfinde. Live kommt er nicht ganz so druckvoll daher, aber Adams Bassline ist einfach göttlich. Die einzige Enttäuschen des Abends..."Every Breaking Wave". Das muss ich in dieser Version einfach nicht hören. Bei "With Or Without You" verlassen wir unseren Platz und gehen seitlich so weit raus wie es nur geht. Wir wollen was zu trinken kaufen. Können wir auch, aber nicht mit Geld. Wir sollen uns erst Bons kaufen gehen. Also raus aus der Halle..."Beautiful Day" läuft. Draußen eine Schlange vor der Kasse für die Bons. Also wieder total dehydriert rein in die Halle. Es läuft "City Of Blinding Lights"...Frau wieder raus aus der Halle...immer noch eine Schlange. Also wieder rein in die Halle. Wir stehen direkt an der Tür die aus der Halle führt. Bei "One" werden wir dann von ein paar älteren U2-Fans angerempelt, die sich vor lauter Heineken nicht mehr wirklich auf den Beinen halten können. Noch 3 Songs mehr und die ersten hätten wohl auf der Trage das Konzert verlassen. Die Show ist vorbei. Draußen am Ajax-Fanshop wird sich noch mit ein paar Fans getroffen, anschließend in den Bahnhof zu Burger King einen Whopper und eine Cola holen, damit der Körper wieder zufrieden ist. ;-) Mit dem Auto zur FeWo und ab ins Bett...

Amsterdam 13.09.: Wir machen uns noch einen schönen Tag am Strand und fahren nachmittags zur Arena um die Tickets an unseren Trauzeugen und seine Freundin zu übergeben. Auch wir haben uns schon Jahre nicht mehr gesehen und unterhalten uns erstmal über eine Stunde im nahegelegenen McDonald's. Dann fahren wir nach Hause...zu Hause am Rechner lausche ich einem Stream auf mixlr....es kommt "Bad"...Fuck denke ich mir....es folgt "40"...Doppelfuck. Wir gehen mit der Hoffnung auf Berlin 4 ins Bett.

14.09.: Ich spüre ein ziehen im Hals, gehe einen Tag drauf zum Arzt. "Jo, Erkältung, Tee trinken, dies und das..."

18.09.: Ich fahre abends in die Notaufnahme. Meine Stimme ist weg und beim Schlucken ziehen die Schmerzen quer durch Hals und Ohr. Ich bekomme Antibiotika..."sie sind etwas rot im Rachenraum". Ahja...

25.09.: Die Packung Antibiotika ist seit gestern aufgebraucht, die Stimme ist wieder da, Hals und Ohr schmerzen immer noch. Der Hausarzt sagt "ihr Hals sieht ganz normal aus". Also fahre ich zum HNO. Der guckt 3 Sekunden rein: "Kehlkopfentzündung. Da hilft kein Antibiotika. Tee trinken, nicht sprechen und aussitzen". NICHT SPRECHEN??? Der HNO weiß nicht dass ich am Samstag auf eine U2-Party gehen werde und am 28.&29. zu U2. "Ok" denke ich mir...du weißt was für eine Krankheit du hast, du weißt was hilft, also halte dich daran.

Berlin 26.09.: Wir sitzen im ICE nach Berlin...ich mit Schal und einer Kanne Tee. Kurz ins Hotel einchecken, dann direkt weiter zu den Hansa Studios beim Aufbauen helfen. Der Soundcheck der U2 Tribute Band Achtung Baby findet ohne Sänger statt, der noch im Stau steht. Zu "Who's Gonna Ride Your Wild Horses" überlässt mir Gitarrist Carsten das Mikro. Eigentlich darf ich ja nicht, aber in den Hansa Studios einen Song von U2 singen, noch dazu von der Achtung Baby, das darf ich mir nicht entgehen lassen. Anschließend ermutige ich die Band noch "Acrobat" zu spielen. Wir proben 2 mal, ich immer noch am Gesang. Man entscheidet sich dagegen den Song zu spielen. Am Ende wohl auch besser so...es war dann doch etwas zu holprig für eine Aufführung vor Publikum. Hätten U2 auch nicht anders gemacht. ;-)

Zu "Every Breaking Wave" und "One" spiele ich beim Konzert mit. Fast schon obligatorisch, seit ich mit meiner eigenen Tribute Band 2005 in den Hansa Studios gespielt habe und wir den damaligen AB-Sänger Marc auf die Bühne geholt haben. Die Hansa Studios sind einfach etwas Besonderes und ein Erlebnis, das man auch als eingefleischter Musiker immer besonders bewahrt.

Berlin 27.09.: Der U2-lose Tage wird für einen Kinobesuch mit den Freunden und Freundinnen von u2tour.de mit anschließendem Sightseeing genutzt.

Berlin 28.09.: Das dritte Konzert in Berlin und das zweite für uns auf dieser Tour steht bevor. Wir haben 2 Sitzplatzkarten für je 200€ und lassen den Tag sehr entspannt angehen. Gegen 14 Uhr finden wir uns am Hotel von U2 ein, treffen wieder viele neue und bekannte Gesichter. Gegen 15:15 Uhr kommen nacheinander Adam, Edge und Bono aus dem Hotel und geben artig Autogramme. Zum ersten Mal sehen wir die Band persönlich. Meine Frau bekommt als erste von Bono ein Autogramm. Ein Fan hinter mir bequatscht Konsequent alle 3, dass sie doch bitte "Two Harts Beat As One" spielen sollen. Als Bono vor mir steht und etwas entgeistert schaut, bekräftige ich die Bitte des gleichgesinnten zwei Reihen hinter mir. Bono sagt "da muss ich erstmal Edge fragen", woraufhin wir uns bei Bono bedanken, als hätte er gerade "geht klar" gesagt.

Als die Band weg ist (Larry hat natürlich den Hinterausgang genommen) wird sich wieder unterhalten und Pläne für den Rest des Tages geschmiedet. Einige Mädels haben nach der Autogrammstunde etwas Pippi in den Augen, während ich mich ärgere dass ich Edge, der 30cm vor mit stand nicht gefragt habe welche Gitarre er denn nun bei "Bad" und "Pride" im Studio wirklich gespielt hat. Luxusproblem...wir gehen noch was Pizza essen und dann ganz gemütlich zur Arena.

Unsere Sitzplätze sind Spitze. Edge's Seite, Unterrang 2. Reihe direkt von unten mittig zum Screen. Neben uns nehmen Damen im Pelzmantel Platz und Pärchen, wo einer U2 Fan ist und der Partner nur mitgekommen ist um die Erinnerungsfotos-/Videos zu machen. Gott sei Dank stehen zum ersten Song schon alle auf und es geht hier richtig gut ab. Zweiter Song..."Gloria". Einer der powervollsten Songs und für mich die erste Live-Premiere (abgesehen von den neuen Songs) auf dieser Tour. Ich erwische mich, wie ich trotz Sprech- und Singverbot am Ende zu Gloria den tiefen Gesang anstimme, den man von der Albumversion kennt. Ansonsten halte ich den Rest des Abends wirklich konsequent meine Klappe. Eine absolut kuriose und ungewohnte Situation für einen U2-Fan, aber man will spätestens in Köln wieder voll im Saft stehen und dafür muss man dann tatsächlich auf einem U2-Konzert mal die Klappe halten. "New Year's Day" als nächste Überraschung, obwohl ich den nicht brauche. Zu "Every Breaking Wave" setzen wir uns dann mal hin und versuchen uns zu erholen. Ein solides Konzert an dem Abend, "Gloria" als absolutes Highlight. Hinterher gehen wir noch mit dem Bassisten von Achtung Baby Burger essen. Einfach toll mit U2-Fans auch nach 0 Uhr noch relaxed nach einem Konzert zusammen zu sitzen und sich auszutauschen.

Berlin 29.09.: Über Nacht habe ich noch einen dicken Schnupfen bekommen, außerdem werden die Schmerzen im Hals immer schlimmer. Der Tag wird die Hölle...mit einem dicken Schädel sitzen wir im "Pirates", essen ein bisschen was (irgendwie schreibe ich hier nur übers Essen?) und dann gehen wir uns anstellen. Heute Innenraum. Meine Jackentaschen sind prall gefüllt...links eine Packung Schmerzmittel, rechts Lutschbonbons, irgendwo dazwischen meine Ohrstöpsel die ich mir eigentlich für den Proberaum bestellt hatte und mir beim Konzert zum Glück das Gehör retten. Wir stehen auf Edge's Seite, 10. Reihe vor der Bühne, 4. Reihe vom Catwalk. Es ist extrem laut. Mit den Musiker-Ohrstöpseln geht es. Man hört die Band einwandfrei, die Gitarre ist nicht mehr so schrill und das Gequatsche neben uns wird auch etwas eingedämmt. Die Stimmung ist etwas lahm. Da war auf der Bonzen-Tribüne am Vorabend mehr los. Ich muss etwas schmunzeln beim Gedanken an die Leute die beim VVK immer der Meinung waren dass die 200€-Plätze nur für die lahmen reichen sind die eh keine Stimmung machen. Ich drehe mich mal um....auf der Tribüne stehen sie wieder und machen Party. Auch auf Adam's Seite im Innenraum wird Party gemacht, aber bei uns hüpft zu "I Will Follow" nur die erste Reihe. Zu "Until The End Of The World" gehen wir ganz nach außen, quasi vor die Reihe wo wir gestern gesessen haben. Stimmung ist gut, man hat Platz...ich werfe mir derweil munter Schmerztabletten ein und werde den kompletten Abend bei keinem Song mitsingen. Auf der e-Stage kündigt Bono schließlich einen Song an. Edge hat ne Stratocaster in der Hand. Ich denke mir schon was kommt...meiner Frau sage ich "Two Hearts" oder "Magnificent". Nach Bonos Satz "we met somebody, who made a request..." ist klar was kommt. Meine Frau bekommt ihren Lieblingssong, den wir ihr zu Liebe immer mit meiner alten Tribute Band spielen "mussten" nun vom Original live voll auf die 12. Der Gesichtsausdruck meiner Frau beim Refrain...ein Bild für die Götter. Am Ende kommen noch wie erhofft "Bad" und "40". Ich kann beide Songs nicht genießen. Die Schmerzen sind so schlimm dass ich lieber gehen möchte...nach "40" nur schnell weg hier, rein ins Taxi, rein ins Hotel, rein ins Bett...

Köln 16.10.: Nach Berlin hatte ich noch eine Bronchitis...inzwischen habe ich nur noch leichte Halsschmerzen. Am Abend bei einem Fantreffen in Köln, werde ich nach dem, ihr wisst was kommt, Abendessen zum ersten Mal seit über einem Monat Schmerzfrei sein. Muss wohl am Kölsch gelegen haben. Ich nehme mir vor beim ersten Köln-Konzert noch nicht so Vollgas zu geben um Reserven für das zweite Konzert zu haben. Mal schauen wie es wird.

Köln 17.10.: Ich verkaufe und kaufe vor der Halle noch ein paar Tickets, warte wieder auf unseren Trauzeugen...er hat tatsächlich Innenraumkarten vom WDR bekommen. Gegen 19 Uhr wollen wir in die Halle...die Schlange draußen für GA ist unglaublich lang. Scheinbar gibt es Probleme mit den Scannern. Wir nehmen oben den normalen Eingang, den man nun freundlicher weise auch für Innenraumticket-Inhaber öffnet. Wir stehen auf Adams Seite, 3. Reihe am Catwalk. Die Stimmung ist toll…denke ich zumindest. Ich schaue nach vorne, sehe ich meine Frau, die wie ich wie in Amsterdam wieder nix sieht, aber trotzdem abgeht. Schaue ich nach links, sehe ich eine Dame Mitte 50, die ihre Handtasche stramm über der Schulter hält und sich keinen Zentimeter rührt. Als wir zu "Electric Co." unglaublicher weise mal etwas hüpfen, stellt sich ihr Macker neben mich. Die Frau kommt offensichtlich nicht damit klar dass direkt neben ihr jemand so aus sich rausgeht. Ist ihr wohl alles zu wild...naja. Da bei "Cedarwood Road" auch wieder Mädels ihre Freunde anbrüllen "wo ist der Bono denn jetzt???" und dann erstmal diskutiert wird warum man ihn denn aus der 3. Reihe neben dem Screen nicht sehen kann, wird es uns dann wieder zu blöd. Wir verziehen uns zu "Until The End..." wieder nach hinten. Dort wird Bier getrunken, ausgelassen getanzt, der Boden klebt, egal. Zu "Even Better..." stehen wir mittig vor der e-Stage, 5. Reihe vielleicht...relativ nah dran und trotzdem mit viel Platz zum Tanzen. "Pride" wird für mich die beste Version auf der Tour. Der Song wird eh druckvoll gespielt wie lange nicht mehr. Wie oft wurde er von Fans bei den letzten Tourneen verwünscht...jetzt höre ich viele die ihn gerne behalten wollen.

Köln 18.10.: Da beim zweiten Konzert i.d.R. "Angel Of Harlem" gespielt wird, machen wir ein Plakat. Es wird am Ende nichts bringen...ein Mädel wird für "Party Girl" und "Angel Of Harlem" auf die Bühne geholt, die leider den ersten Song überhaupt nicht spielen kann. Aber auch hier ist mir das letztendlich egal.

Wir stehen mittig vor der e-Stage, direkt mit unserem alten Sänger (Christian) und starten dann irgendwann mal die LaOla. Bono kommt auf die Bühne und die Ordner machen nicht die beste Figur. Die Fans direkt vor der Bühne die noch seitlich aufgereiht stehen und darauf warten dass sie vor die Bühne dürfen werden zurückgehalten, während die Fans die direkt vor der Tribüne stehen losrennen dürfen und sich somit quasi vordrängeln. Wir landen in der 2. Reihe. Christian und ich brüllen aus vollem Halse mit, hüpfen auf und ab, dass wir nach "Follow" beide am Ölen sind wie nach einem Aufguss in der Sauna. Neben mir ein älterer Herr mit Mantel und Schal, hinter uns jüngere Fans die aber auch nur vereinzelt Lust haben auf die U2-Party. Uns vorne juckt das heute aber nicht die Bohne. Das wichtigste heute für mich...ich kann endlich wieder singen! Ohne Medikamente, ohne Schmerzen, kann ich wieder so singen wie es auf einem U2-Konzert sein sollte. Christian übernimmt zu "Iris" den Bono, ich singe demonstrativ wie vor 10 Jahren eine Oktave höher den Edge-part. Wir machen uns einen kleinen Spaß daraus. Bei "Zooropa" schleudern wir Bono zwischen seinen Zeilen ein "Zoooooooropa" entgegen und bekommen das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Zu "Beautiful Day" haben wir uns dann wieder weiter nach hinten gestellt, um Bewegungsfreiheit zu haben. Wir sehen wie die Security wieder die Seile spannt um die Band nach Konzertende von der Bühne zu lassen. Einige flüstern sich zu "kommt 40"? Ja....es kommt. Erst "Bad", bei dem ich endlich mitsingen kann. Edge drückt beim Solo den richtigen Knopf und man hat in der letzten Ecke der Halle das Gefühl direkt vor seinem Amp zu stehen. Das Dach fliegt weg. Andreas, der Bassist von Achtung Baby, reicht mir seinen Becher Bier. Vor mir fällt ein Mann einem Bierverkäufer (die zugegeben in Köln durchaus einen gewissen Nervfaktor hatten) um den Hals. Viele Fans liegen sich in den Armen, singen, tanzen, grölen mit..."40" kommt natürlich noch hinterher. Es ist unglaublich...wir stehen hinten und haben nicht einmal das Gefühl zu weit weg zu sein. "Bad" und "40" zum zweiten Mal auf der Tour, bzw. überhaupt live von der Band zu hören, aber zum ersten mal richtig mitmachen zu können und es zu genießen ist einfach unbeschreiblich.

Ende November geben wir uns dann noch Dublin 1 und 2. Für das erste Konzert hatten wir nur eine Karte. Aber am Box Office bekommt man nach Einlass tatsächlich noch Stehplatzkarten und so können wir beide Konzerte entspannt genießen. Wieder stehen wir beide male recht weit hinten. Ich entdecke einen guten Platz direkt hinter Joe O'Herlihy, der diesmal nicht auf der Tribüne sondern im Innenraum untergebracht ist. Da hängt direkt vor mir eine Box von der Decke, ich stehe vielleicht 4 Meter davor. Es ist extrem laut...aber der Sound ist unschlagbar. Am zweiten Abend gibt es kurzfristig und ungeplant zum dritten mal "Bad" und "40". Wir sind happy, merken aber auch dass es für uns genug ist für dieses Jahr. Wenn mich einer fragt welches Konzert das beste war, dann muss ich sagen: Köln2! Das Konzert war einfach magisch, U2 im "Point Depot" hin oder her.

Wenn ich an das Jahr 2014 zurück denke, dann fällt mir aber folgendes auf: Und wie ich U2 brauche. Man könnte sagen "alte Liebe rostet nicht". Ich habe diese Band und ihre Musik immer geliebt. Aber das was dieses Jahr passiert ist, was ich mit dieser Band und allen Menschen die ich kennengelernt und immer wieder getroffen habe erleben durfte, das kann einfach nichts anderes auf der Welt toppen. Was wurden vor und noch während der Tour Diskussionen geführt was die Songauswahl, die Bühnenkonstruktion und die Show angeht. Was wurde diskutiert "wo ist da der rote Faden?" vs. "einen noch roteren Faden gibt es doch nicht".

...don't worry baby. It's gonna be alright.


Euer Dead Man


News geschrieben von deadman am 26.11.2015 um 16:18

    



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