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12.11.2015
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Kein U2-Konzert ohne QUEUING.

"Rooooll Caaaaaall". Das Röhren lässt uns stramm stehen. Einzeln werden unsere Namen und Nummern von den Holländern aufgerufen und nacheinander sortieren wir uns gemütlichen Schrittes in die abgesperrten Bereiche ein. Großartig! Sprung woanders hin: Der weibliche Fan ist morgens um 8 Uhr in der GA-Schlange. Abgesehen von einer gewissen Zeit über Mittag ist sie den ganzen Tag nicht da und dann - nach dem Scannen der Tickets - erscheint sie wieder und positioniert sich wie selbstverständlich entsprechend ihrer Nummer vorne in den 40ern in die mittlerweile dicht gedrängte GA-Schlange.

Das Anstehen für ein U2-Konzert ist eine Welt für sich. Nun könnte der geneigte Leser behaupten, es sei auf dieser Tour überhaupt nicht nötig, sich früh anzustellen, weil man selbst bei spätem Erscheinen noch ausgezeichnete Plätze im Innenraum bekommt. Stimmt, auf der anderen Seite war es aber noch nie so leicht wie auf dieser Tour, einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern und dieses außergewöhnliche Erlebnis schafft man eben nur durch frühes Anstehen. Allerdings ist "das Queuing" in der heutigen Zeit eine ganz neue, teilweise äußerst bequeme, vielleicht aber auch ungerechte Art des Anstehens. Ein Grund diesen Blogeintrag zu verfassen.

Schauen wir zunächst zurück auf die gute alte Zeit. Um "ganz nach vorne" zu kommen hieß das Anstehen ab frühmorgens oder sogar Übernachten vor der Halle/Stadion. Der Trinkkonsum musste irgendwann eingestellt werden, um nicht mehr auf Klo zu müssen. Weggegangen – Platz vergangen. So ging es früher häufig zu. Stundenlanges AnSTEHEN und der GA-Run waren quälende Ereignisse, die den eigenen Körper häufig brutal forderten und regelmäßig zu Auseinandersetzungen unter Fans führten.

Heutzutage ist alles anders. Anstehen mit Ponyhof-Kultur. Alle haben sich lieb. Aber ist die heutige Art des Anstehens fairer? Auf dieser Tour habe ich vieles erlebt. Am besten lief es in Amsterdam. Wie oben erwähnt, gab es beim sogenannten Roll Call-Verfahren verschiedene Uhrzeiten, Check-Ins genannt, zu denen die Anwesenheit der Fans genau überprüft wurde. In diesem Fall 21, 23, 1 Uhr am Vorabend sowie 5, 7, 9 Uhr usw. am Show Day. Wer mehr als einen Roll Call verpasste, verlor seine Position in der Schlange. Zwischen den einzelnen Roll Calls durfte man die Schlange zum Schlafen, Essen usw. verlassen, was natürlich klasse war. Amsterdam lief perfekt!

Dieses neue, weit verbreitete System kann aber auch ad absurdum geführt werden. Beobachtet beispielsweise in London, wo es zwar auch Nummern gab, aber keine Roll Calls. Nur wer die richtigen Leute kannte und wusste, wann und wo die Nummernvergabe war (am Vorabend in einer Seitenstraße der O2 Arena), hatte die Chance auf eine niedrige Nummer. Das führte dann zu der absurden Situation, dass Leute, die praktisch den ganzen Tag ohne Pause in der Schlange warteten, weit hinten waren. Andere, die sich bereits am Vorabend eine Nummer besorgt hatten, nur phasenweise den Tag auf dem kalten Beton verbrachten. Ansonsten entspannte man sich woanders, um sich aber stets wieder an Position 1 bis 50 einzusortieren. Den Höhepunkt habe ich eingangs erwähnt.

Meine Meinung ist nach den bisherigen Erfahrungen etwas zwiegespalten. Wie sollte das "perfekte" System aussehen? Einerseits meine ich, dass diejenigen, die sich als erstes anstellen, auch als erstes eingelassen werden sollten. Und mit Anstellen meine ich Präsenz! Andererseits macht das Nummernsystem das Anstehen sehr angenehm. Man wird ja nicht jünger. Die Möglichkeit, zwischendurch wegzukönnen, ist klasse. Aber wenn dieses System ausgenutzt wird, halte ich gar nichts mehr davon. Und was ist eigentlich, wenn es konkurrierende Listen gibt oder sich einige nicht daran halten?

Was sind Eure Erfahrungen auf der U2ieTour? Spinnen die Leute, die sich stundenlang anstellen? Was wäre ein gerechtes Verfahren? Was sind Eure Geschichten vom Anstehen in den 80er und 90er Jahren? Ich bin gespannt. Euer Dirk


News geschrieben von Dirk am 12.11.2015 um 22:34

    



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