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19.09.2015
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Be In The Moment (zum Handygebrauch auf U2-Konzerten)

Ein persönlicher Kommentar von unserem Mitarbeiter Dirk:

Was waren das noch für Zeiten, als man seinen Fotoapparat in der eigenen Unterhose versteckte und hoffte, die Türsteher würden ihn an der Eingangskontrolle nicht finden. Heute wird einem der Blick auf die Bühne durch tausende Handydisplays versperrt. Denn heute geht es vor allem darum, das Konzert zu filmen, den Moment - der vergeht, festzuhalten.

"Don’t photopgraph the moment, be in the moment!" Diesen epochalen Satz predigte Bono in Montreal, als er zahllose Fans auf die Bühne holte und diese zunächst an nichts anderes dachten, als Fotos bzw. Selfies zu machen, anstatt das einmalige Ereignis zu genießen. Tatsächlich hat sich die Situation auf U2-Konzerten im Vergleich zur letzten Tour noch einmal verschärft. Ein Großteil der Fans im Innenraum und auf der Tribüne steht stoisch da und macht am laufenden Band Fotos oder Videos. Dabei möchte ich nicht missverstanden werden: Nur zu gut kenne ich den eigenen Zwang, während der Show am Handy "rumzudaddeln", zu twittern oder Fotos/Videos aufzunehmen. Ich möchte niemanden verurteilen. Aber man darf sicherlich fragen, welchen Sinn diese Aufnahmen vor dem Hintergrund haben, dass es im Netz tausende von großartigen Fotos und Videos von allen Konzerten kostenlos gibt. Welchen Einfluss hat der pausenlose Handygebrauch während der U2-Show?

In Amsterdam habe ich es geschafft, mein iphone praktisch das ganze Konzert über in der Hosentasche zu lassen – was für ein Genuss! Ich konnte Hüpfen, Singen, Schreien, Klatschen und mich einfach nur auf U2 und ihre Musik konzentrieren. Es gibt aber auch diejenigen, die nichts besseres zu tun haben, als am Catwalk in der ersten Reihe zu stehen und zu filmen, wenn Bono an ihnen vorbei kommt. Was für ein Gefühl muss es für Bono, Edge, Larry und Adam sein, anstatt in Gesichter, in irgendwelche Kameras zu blicken. Wie ernüchternd muss es insbesondere für Bono sein, wenn er versucht, mit den Zuschauern Kontakt aufzunehmen. Oder noch schlimmer. Der Band wird der Rücken zu gedreht, um sich in ein Selfie zu quetschen. Ich habe den Eindruck, der maßlose Handygebrauch stört die Konzertatmosphäre. Viele Fans haben "keine Hand mehr frei zum Klatschen" (die Welt).

Ein paar bemerkenswerte Artikel lassen sich in der hiesigen Presse schnell aufstöbern. "Ich war da – Beweis gefällig?", fragt die Süddeutsche, der Stern kritisiert Handyfilmer auf Konzerten mit den Worten "Damit verderben sie Bands und Mitmenschen die Laune" sowie die Augsburger Allgemeine bemerkt treffend: "Die schönsten Erinnerungen speichert der Kopf".

Ich hoffe, ich wirke nicht zu oberlehrerhaft, wenn ich allen Fans wünsche und appelliere, die Handys während der Show steckenzulassen. Ich glaube, Ihr (und alle anderen) habt mehr von dem Konzerterlebnis, wenn Ihr Euch einfach auf den Auftritt konzentriert anstatt versucht, den Moment für zu Hause auf Eurem Handy zu speichern. Seid Teil des Moments!

Oder sehe ich die Thematik zu dramatisch? Ist die Kritik völlig überzogen? Was ist Eure Meinung? Gehören Handys heute einfach dazu oder stört der ständige Handygebrauch die Konzertatmosphäre? Wie war die Stimmung auf der bisherigen Europatour? Sind wir die "Generation Selfie", die ein Konzert eben anders begeht als früher? Habt Ihr schon mal böse Blicke kassiert, wenn Ihr tanzt oder springt und dabei einen Filmer anstoßt? Brauchen wir ein Handyverbot auf U2-Konzerten? Ich freue mich auf Eure Antworten. Euer Dirk


News geschrieben von Dirk am 19.09.2015 um 11:41

    



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