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07.08.2015
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Don't let the bastards grind you down...

Einmal U2 im Madison Square Garden erleben. Seit letzter Woche habe ich auch das von meiner "Bucket list" abgearbeitet. Es waren zwei tolle Konzerte in dieser außergewöhnlichen Stadt – sozusagen U2s "home away from home". Der erste Leg der Tour ist fertig und wir können uns auf ein paar tolle Konzerte in Europa freuen. Die Band versprüht Spielfreude und versteht es zu unterhalten. Aber das soll hier keine Rezension werden, das könnt ihr auch ruhig im Forum nachlesen. Zurück zu den Konzerten in New York City: diese hatten nicht nur Licht, sondern leider auch ihre Schattenseiten. Genauer gesagt nicht in der Halle, sondern davor...

Schwarzmarkthändler, auch Scalper genannt, sind kein neues Phänomen. Wo immer eine populäre Veranstaltung stattfindet, gibt es auch Leute, die davon profitieren möchten. Fern davon, ob die Karten dann überhaupt echt sind oder nicht, ist es natürlich für jeden Besucher und Fan ärgerlich, dass (und wie) solche Leute an Karten überhaupt rankommen. Gerade in New York scheint der Schwarzmarkt ein noch größeres Phänomen zu sein, denn der Madison Square Garden gehört nunmal zu den populärsten Venues überhaupt. Dennoch haben die Ereignisse rund um die Konzerte bei mir eine saure Note hinterlassen, denn so etwas habe ich noch nicht erlebt.

Donnerstag, 15:00 Uhr: ich reise ohne Karten zum Konzert mit der Hoffnung noch etwas am Box Office zu ergattern. Vor mir stehen ca. 60 Leute in der Schlange, ich mache mir erst mal keine Sorgen, weil die meisten sicher GAs wollen und ich eigentlich nur rein möchte. Schon wenige Minuten nach der Ankunft wird man links und rechts auf Karten angesprochen, natürlich gesalzene Preise und keine Garantie ob die Karten echt sind... also nein, danke. Ich unterhalte mich mit den netten Leuten in der Schlange, die mich darauf aufmerksam machen, dass ganz vorne in der Queue eine Gruppe Scalper stehen. Diese haben schon in der Früh Karten ergattert, angeblich ist schon da nicht alles ganz korrekt gelaufen. Das kann ich nicht beurteilen, aber sicherlich ärgerlich für jeden Fan, der natürlich dahinter steht und hofft, in 2-3 Stunden reinzukommen. Viel ärgerlicher aber dass immer wieder neue Scalper versuchen, sich in die Schlange reinzudrängen und erst auf Aufforderung der Leute gegenüber von der Security entfernt werden. Komisch finde ich dann aber, dass die Scalper mit der Security dann herumscherzen und am Ende auch noch "high fives" verteilen. Naja, egal. Die U2 Community wäre ja keine Community wenn sie nicht auf solche Scalper aufmerksam machen würde: man hat Reihenweise Fotos von ihnen gemacht, man weiß ja nie. Es ist 19 Uhr und die ersten Karten gehen in den Verkauf, es ist mal nur von 280$ Karten die Rede. Ich stehe in der Schlange vorm Box Office und siehe da, ein bekanntes Gesicht steht vor mir. Nur geht die Security mit ihm bis zum Schalter mit nach vorne und sagt dem Verkäufer, dass er 100$ Karten bekommt. Komisch, die gab es doch vorhin gar nicht? Aber okay, ich denke mir nichts weiter dabei. Sobald er die Karten hatte ging der Weg natürlich 30 Minuten vor Konzertbeginn nicht Richtung Sitzplatz, sondern vor die Arena. Traurig, aber ist nunmal so. Viele Fans gehen an diesem Tag leer aus während vor der Halle 35$ Tickets um 300$ angeboten werden. Trotzdem bislang alles "business as usual".

Bis Freitag Morgen. Es ist zu hören, dass es Donnerstag Früh einen Ticketdrop gab, also erhoffe ich mir auch für Freitag 10 Uhr einen am Schalter. Um 8 Uhr angekommen sind gerade mal zwei weitere Leute da, bis kurz vor 10 Uhr warten ca. 60 Leute auf den Einlass. Darunter auch wieder berühmte Gesichter vom Vorabend, mitunter auch der "nette" Herr der zufälligerweise die einzigen 100$ Tickets bekommen hat. Der Einlass ist chaotisch, die Schlange wird einige Male aufgelöst und wieder formiert. Unter den Fans ist zu hören, dass die Security mit den Scalpern teilweise zusammenarbeitet... "Verschwörungstheorien" denke ich mir und warte brav den Einlass ab, der so schlecht organisiert ist, dass wie aus heiterem Himmel um 10 Uhr auf einmal eine Gruppe von Scalpern ganz vorne in der Schlange landen (zumindest einer davon samt Frau und Kind). Der Einlass fängt an und alle rennen los, nur die Security bremst nach den ersten 10-15 Leuten einmal die ganze Menge. Nur ein wenig eigenartig, dass just die ganze Scalpergruppe durch durfte bevor der Rest aufgehalten wurde. Endlich einmal drinnen werden die Schwarzmarkthändler alle schön abgefertigt, es ist eigentlich sehr einfach zu sehen wer Fan ist und wer nicht: die einen grinsen und hüpfen, die anderen ziehen schnellen Schrittes davon, eigentlich fehlt nur Anzug und Krawatte (bei Scalpern ist die Berufskleidung eher kurze Hosen, Flip Flops und Aufklapphandys). Zwei Leute warten noch vor mir in der Schlange als es auf einmal "sold out" Rufe gibt, sehr bitter. Beim Rausgehen sehe ich, wie die Security Scalpern "high fives" gibt oder sich drücken lassen, weil sie teilweise beim Überspringen der Absperrung nicht einmal aufgehalten wurden. Für mich hinterlässt der Vormittag einen ganz bitteren Beigeschmack in NYC. "U2 fans are the worst" ist noch von der Security zu hören, es grenzt schon alles etwas an Häme. Also liegt meine Hoffnung abermals bei der "Cancellation line" wo unmittelbar nach dem Kartenverkauf schon die ersten Drei anstehen. Welch Überraschung, Scalperfamilie samt Kind! Ich hab die Nase mal so richtig voll, U2 schön und gut aber 4 Tage in NYC und dann 2 Tage vor der Arena verbringen ist mir dann doch etwas zu schade. Um 15 Uhr wird's hoffentlich wieder Tickets geben.

Freitag Nachmittag und irgendwie kommt einem alles ganz vertraut vor: dieselbe Schlange, dieselben Gesichter, dieselbe Security. Wir warten wieder ewig bis sich etwas tut, die Scalper stehen ein wenig verteilt in der Schlange (ein paar vor mir, ein paar hinter mir). Einige U2 Fans gehen munter durch und machen Fotos, irgendwie möchte man auf die Schwarzmarkthändler aufmerksam machen, was aber nicht viel bringt. Wie gestern gibt es anfänglich wieder 280$ Tickets, viele der Fans vorne in der Schlange verzichten, weil sie auf billigere Tickets oder gar GAs hoffen. Der Sinn der Schlange, so denkt man sich, wäre, dass die Security bei neuen Kontingenten immer wieder vom Beginn bis zum Ende durchgeht. Zufall will es aber, dass die fünf bis zehn 100$ Tickets, die sehr spät erst auftauchen, mitten in der Schlange angeboten und somit die Fans im vorderen Bereich ignoriert werden. Just dort steht zumindest ein Schwarzmarkthändler, der am Vorabend schon vor mir die einzigen 100$ Tickets einkassieren durfte... jetzt wird mir auf einmal auch einiges klar! Die Emotionen gehen wieder etwas hoch, jeder beschuldigt jetzt den anderen, ein Scalper zu sein. Ein unschönes Ende...

Wer diverse Fanseiten auf Twitter und Co. mitverfolgt hat, wird einiges an Geschichten, Bilder und Videos gesehen und gelesen haben. Von Fans, die zu Boden gestoßen wurden, Scalpern, die am Willcall-Schalter 20 GAs abgestaubt und um 400$ das Stück weiterverkauft haben, und so weiter... es dürfte wirklich einiges schief gelaufen sein in New York. Die Konzerte waren klasse, aber ein bitterer Beigeschmack wird bleiben. Don’t let the bastards grind you down...


News geschrieben von popmartian am 07.08.2015 um 11:49

    



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