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22.08.2010
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Horsens - eine Liebeserklärung

Wir hatten nicht den besten Start, als ich letzten Oktober nach Informationen zu den neuen Tourstationen suchte: kein wirkliches ÖPNV System, die so genannte Stadionansicht über Google Earth war ein Witz, und überhaupt hätte ich viel lieber etwas über Kopenhagen geschrieben. Aber gut, ansatzweise versöhnlich stimmte mich dann, dass Horsens ein ICE-Halt hat und von Berlin aus direkt zu erreichen ist. Mit ein bisschen weiterer Recherche dämmerte es mir, dass diese beiden Konzerte wohl ein tolles Erlebnis werden könnten, gerade weil sich keine Großstadt um das Stadion befand, sondern ein verträumtes 50.000 Einwohner Städtchen mit Ostseestrand.
Als sich also meine Reisegruppe entschied, es mit Horsens zu probieren (und wir Tickets ergattern konnten!), wuchs meine Vorfreude auf einen Strandurlaub genauso schnell wie auf die U2 Konzerte dort. Spätestens beim Packen für den Trip hatte die Urlaubssehnsucht gewonnen, denn wie ich später feststellen musste, hatte ich das ein oder andere U2-Shirt im Schrank gelassen.
Nach den beiden Konzerten in Frankfurt und Hannover (auf denen ich Besucher mit fragenden Blicken auf die Tourdaten sah, wer oder was denn dieser Horsens ist), trafen sich ein paar Mutige in Hamburg um dann im Konvoi Dänemark unsicher zu machen. In Flensburg fielen wir noch in ein Supermarkt ein und plünderten die Camping- und Lebensmittelabteilung als würden wir für drei Wochen in ein Entwicklungsland reisen.
Kurz vor Horsens stieg dann die Spannung, ob man was von der Kralle sehen würde. In den meisten Stadien konnte man ja die Spitze des Pylons über das Dach hinausragen sehen, auf so einen Anblick hofften wir auch, als wir den Horizont absuchten. Aber Horsens ist nicht wie Barcelona, Paris oder Moskau, das wurde uns nach der nächsten Kreuzung klar, als wir quasi direkt neben der Kralle vorbeifuhren. Auf den ersten Blick wirkte die CASA Arena drum herum wie eine Lego-Nachbildung eines Stadions.
Am Abend auf dem Campingplatz direkt an der Ostsee wurde noch gegrillt und es fühlte sich tatsächlich wie Urlaub an. Auch noch am nächsten Morgen, als wir - immer mit Blick auf die Kralle - mit Malerplanen und Strandmuscheln unser Lager auf dem Warteplatz aufschlugen, in mitten einer idyllischen Einfamilienhaussiedlung. Das und der Blick auf die Kralle quasi direkt neben einem Getreidefeld haben den Verdacht bestätigt, dass Horsens etwas ganz Besonderes ist, aber das war noch lang nicht alles: Die ganze Stadt war für das Konzert auf den Beinen: in den Vorgärten der angrenzenden Grundstücke wurden Stände mit Getränken und Snacks aufgebaut, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und andere Freiwillige sperrten die Straßen ab, die Mitglieder des Fussballvereins (AC Horsens) unterstützen die Security im Stadion und Schulklassen beseitigten nach den Konzerten den Müll. Dabei waren alle so unglaublich freundlich und hilfsbereit, wie ich es nicht gedacht hätte.
Auch das von Fans und Security organisierte Anstehen, ließ meine Begeisterung für Horsens weiter wachsen. Gegen Mittag wurde niemand mehr auf unsere Wartewiese gelassen, alle die jetzt ankamen, mussten hinter den Absperrungen warten. Ein bisschen später setzten wir ( vielleicht 300 Fans) uns nach Nummern geordnet in eine Reihe um dann wiederum etwas später in genau dieser Reihenfolge im Gänsemarsch zum Stadioneinlass zu gehen. Dabei übten wir schonmal die La Ola für später. Eine Wahnsinnsstimmung!
Kurz vor dem Öffnen aller Eingänge setzte sich wieder unsere erprobte Reihe in Bewegung und im gemütlichen Spaziergang (aber ohne Halt am Merchandise ;) ) ging es dann ins Stadion. Es war ein wahrhaftiger Einzug der Ersten in den FOS, der von den Fans am Catwalk bejubelt und beklatscht wurde.
Am nächsten Tag lief der Einlass ähnlich entspannt, gefolgt von einem ähnlichen Konzert
und am Dienstag wollte ich gar nicht mehr zurück. Irgendwie hatte es Horsens geschafft, in so kurzer Zeit, so viele Sympathiepunkte zu sammeln. Was sehr viel an den Menschen vor Ort: den Horsensern und den U2Fans, dem Charme einer Kleinstadt und dem allgegenwärtigen Urlaubsfeeling lag. Ein bisschen vielleicht auch an der Kralle und den Konzerten. Aber dieser Trip hat eindeutig bewiesen, dass zu einem großartigen U2 Wochenende nicht unbedingt ein einzigartiges Konzert gehört.


News geschrieben von caro am 22.08.2010 um 12:39

    



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