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U2 News » Outside is America - Rückblick auf den ersten Leg der JT-Tour 2017


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  » The Joshua Tree Tour 2017

   Bonoman

   04.07.2017 um 12:55 Uhr

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Wie die Zeit vergeht…gerade noch rieb sich so mancher verwundert die Augen ob der Ankündigung von "some very special shows", schon ist der erste Leg der Tour absolviert und Band und Bühne auf dem Weg nach Europa. 

Ein Rückblick auf 21-mal Joshua Tree Live 2017 in Nordamerika:

Im Interview mit dem Rolling Stone spricht The Edge davon, dass das Album durch die politischen Ereignisse in den USA seinen Abschluss finde. Und tatsächlich mutet es beinahe dramaturgisch an, dass sich das Land bei der Rückkehr des Joshua Trees auf die nordamerikanischen Bühnen in einem ähnlich gespaltenen Zustand befindet wie zu seinem Erscheinen vor 30 Jahren.

Ansonsten ist vieles anders. Und so eröffnen U2 ihre Anniversary Tour nicht etwa nostalgiewirksam in Arizona, der Heimat des namengebenden Liliengewächses, sondern im kanadischen Vancouver. Erste Bilder der Aufbauarbeiten im BC Place Stadium machen deutlich, dass das Bühnendesign in die Gegenwart transportiert wird und wenig mit dem vergleichsweise schlichten und unaufgeregten Äußeren der Tour von vor 30 Jahren zu tun hat. Mit einer Größe von 60 x 14 Metern erstreckt sich die Bühne beinahe über die gesamte Breite des Stadions. The future needs a big kiss: aus 1.040 Einzelbildschirmen bestehend und mit beinahe 8k Auflösung fahren U2 die größte und am höchsten aufgelöste LED-Videowand auf, die jemals auf einer Tour zum Einsatz kam. Nach Aussage von Willie Williams beträgt die Auflösung das 400fache der Popmart-Leinwand. Die Silhouette des Joshua Trees steht neun Meter über den Rand des Screens hinaus und wirft scheinbar einen Schatten, der die sich ins Publikum erstreckende B-Stage bildet. Insgesamt benötigen U2 64 Trucks, um die Bühne zu transportieren.


Ob die gewaltige visuelle Inszenierung gefällt oder nicht ist sicher Geschmackssache, beeindruckend ist sie allemal und wenn der Screen zu STREETS komplett rot erstrahlt kann man sich dieser Magie nur schwer entziehen.

STREETS eröffnet dann tatsächlich den Joshua Tree Block und beendet alle Spekulationen darüber, ob die Songs in der ursprünglichen Reihenfolge gespielt werden; bei allen Konzerten wird die Albumsequenz vollständig eingehalten. Während diese Konstante im Mittelteil der Show für Begeisterung sorgt, hätten sich viele Fans für die vor- und nachgelagerten Blöcke sicher etwas mehr Flexibilität gewünscht. Insgesamt präsentieren U2 26 verschiedene Songs, 17 davon werden bei jeder einzelnen Show des ersten Legs gespielt. Zum Vergleich: während der ersten Joshua Tree Tour 1987 spielte die Band trotz damals deutlich geringeren Portfolios 30 verschiedene Songs. Auch die Gesamtzahl ist mit 21 bis 22 Songs pro Konzert sicher noch ausbaufähig. 

Der chronologische Aufbau der Show mit je einem Vor- und einem Nach-Joshua Tree Block nimmt die Zuschauer mit auf eine fantastische Reise durch die Bandgeschichte. Zwar wirkt der Beginn auf der B-Stage optisch unspektakulär, fast familiär, Larrys Einstieg zum Opener SUNDAY BLOODY SUNDAY lässt jedoch keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Band gleich in die Vollen geht; für eine Aufwärmphase ist bei der Vielzahl der folgenden Klassiker kein Platz.  
So aktuell die Themen und Texte des 30 Jahre alten Albums sind, so zeitlos ist seine Musik. The Joshua Tree 2017 - das funktioniert. Wirklich gezweifelt hätte daran vermutlich niemand, sind viele Klassiker des Albums doch fester Bestandteil aller Tourneen der vergangenen Jahrzehnte. Einige Songs wirken in ihrem neuen Setting sogar auf erfrischende Art und Weise so, als hätten sie nur auf diese Art der Präsentation gewartet. Und die Nummern, die U2 erstmals seit den achtziger Jahren spielen fügen sich nahtlos ein. Leider erfüllt sich die Hoffnung auf die ein oder andere B-Seite, in etwa LUMINOUS TIMES, nicht, aber was nicht ist,kann ja noch werden.

Bei Betrachtung des finalen Blocks mit Songs aus der Nach-JT-Ära wird deutlich: hier haben U2 noch nicht gefunden, wonach sie suchen. Der neue song THE LITTLE THINGS THAT YOU GAVE AWAY schien zunächst gesetzt, wurde temporär gegen I WILL FOLLOW oder VERTIGO ausgetauscht und fand zum Ende des Legs zurück in die Setlist, bevor ONE für die letzten beiden Shows ans Ende verschoben wurde und den Song als Closer ablöste. 

Kritik an der Setlist ist immer subjektiv und soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Band bei jedem Auftritt zu begeistern wusste. Das Echo der Zuschauer war –abgesehen von gelegentlichen Sicht- und Akustikproblemen- durchweg positiv. Die Zahlen sprechen ohnehin eine deutliche Sprache; im Vorverkauf wurden 1,1 Millionen Tickets in 24 Stunden abgesetzt. Offiziell gelten alle Shows als ausverkauft (insbesondere in Pittsburgh ließ sich jedoch erahnen, dass diesbezügliche Meldungen Spielraum zur Interpretation lassen)  Die bisher vorliegenden Boxscore Daten weisen einen Umsatz von 62.297.351 US-Dollar bei rund 520.000 verkauften Tickets aus. Der durchschnittliche Ticketpreis betrug demnach 120 US-Dollar.

Was bleibt sonst in Erinnerung? Da wären die Einlassprobleme in Boston, der gelungene Auftritt beim Bonnaroo-Festival mit leicht gekürzter Setlist, die Widmung von RUNNING für Chris Cornell, die 18-malige Premiere von RED HILL MINING TOWN und die grandiose Performance von EXIT. Erwähnenswert sicher noch, dass Bonos direkte Interaktionen mit Konzertbesuchern überschaubar waren: nur insgesamt dreimal holte er einen Fan auf die Bühne.

Ein echtes Highlight der ersten Konzerte wurde leider früh gestrichen: seit der Show in Pittsburgh warten die Fans vergeblich auf A SORT OF HOMECOMING. Es bleibt die Hoffnung, dass der Song in Europa eine Art Heimkehr erfährt…
London calling!

 
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